Wie stellt sich der Markt dar?
Schon lange ist die Weiterbildung als Auftrag der Hochschulen gesetzlich festgeschrieben, auch über eine professionellere Vermarktung des Angebots wird seit Jahren nachgedacht. So schlugen bereits Mitte 1994 der damalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Hans-Uwe Erichsen, und frühere Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann in einem Konzept vor, Koordinierungsstellen an den Universitäten einzurichten, die den Weiterbildungsbedarf der Wirtschaft analysieren und bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote entwickeln sollten.
Während das Gros der Universitäten und Fachhochschulen mit einem handgestrickten und wenig strukturierten Weiterbildungsangebot immer noch nicht so recht zu überzeugen vermag, drängen einige Hochschulen umso stärker auf den Weiterbildungsmarkt. Sie scheinen sich die gegenwärtige Krise der privaten Weiterbildungswirtschaft zu Nutze zu machen und suchen bewusst den Zugang zu den zahlungskräftigen Kunden im Management.
Ihre Angebote zeichnen sich in der Regel durch ein beinahe unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis bei einem hohen wissenschaftlichen Anspruch und häufig hochkarätigen Referenten aus. Viele Unternehmen, die mehr denn je gezwungen sind mit einem knappen Budget zu wirtschaften, entdecken im universitären Weiterbildungsangebot dann auch eine Alternative zu den privatwirtschaftlichen Bildungsträgern. Dies gilt erst recht für Privatpersonen oder Selbstständige, die sich für eine berufsbegleitende Weiterbildung interessieren.
Das häufigste Problem: Eher zufällig oder erst durch mühsames Suchen erfährt der Weiterbildungsinteressierte von der Existenz der universitären Lehr- und Kontaktstudiengänge. Und er ärgert sich dann bisweilen über die wenig auf die Belange von Berufstätigen zugeschnittenen Seminarzeiten. Kurz: Die inhaltliche Qualität des Angebots mag zwar stimmen, es mangelt aber häufig noch an deren professioneller Vermarktung und Positionierung.
Wettbewerb für Best-practice-Geschäftsmodelle
Der Stifterverband der deutschen Wissenschaft, Essen, nahm die an vielen Hochschulen und Universitäten immer noch fehlende Kontinuität und Systematik bei der Entwicklung und Umsetzung von Weiterbildungsstrategien erstmals zum Anlass, um mit einem Aktionsprogramm 'Hochschulen im Weiterbildungsmarkt' die Aktivitäten in diesem Bereich stärker zu fördern und gelungene Konzepte auszuzeichnen. Gesucht wurden die 'Best-practice'-Geschäftsmodelle für die Entwicklung und Vermarktung von Hochschulweiterbildungsangeboten.
In einem mit insgesamt 175.000 Euro dotierten Wettbewerb konnten die Hochschulen ihre Konzepte einer Jury aus Unternehmens- und Hochschulvertretern präsentieren. Aus den Geschäftskonzepten sollte hervorgehen, welche Zielgruppen durch welche Produkte angesprochen werden, wie das Geschäftsfeld rechtlich und organisatorisch an der Hochschule verankert ist und wie die Finanzierung, das Marketing und die Qualitätssicherung erfolgen. Insgesamt beteiligten sich 37 Hochschulen am Wettbewerb, darunter 20 Universitäten und 17 Fachhochschulen. Am 18. Mai 2004 wurden die Sieger vom Stifterverband bekannt gegeben.
Als beste deutsche Hochschule in Sachen Weiterbildung darf sich demnach die Fachhochschule
Konstanz bezeichnen. Die Jury machte beim Sieger unter anderem 'eine klare nachfrageorientierte Strategie, ein innovatives Management und ausgeprägte Kooperationen
mit der Industrie' aus. Die Fachhochschule erhielt für den 1. Platz neben einem Preisgeld von 100.000 Euro eine kostenlose Beratung von McKinsey&Co. zum weiteren Ausbau ihrer Weiterbildungsaktivitäten.
Den zweiten Preis in Höhe von 50.000 Euro erhielt die Universität Augsburg für 'die seit Jahren etablierte Vielfalt ihrer Angebote auf hohem Qualitätsniveau', so das Lob der Jury. Die Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg erreichte den dritten Platz und damit ein Preisgeld von 25.000 Euro für ihr 'praxisorientiertes und vor allem am Bedarf der regionalen Wirtschaft orientiertes Weiterbildungsportfolio'. Darüber hinaus erhielten die Universität Oldenburg für ihr 'Blended Learning'-Weiterbildungskonzept und die private Universität Witten-Herdecke für den Einsatz neuer Medien in ihren Online-Weiterbildungsangeboten im Gesundheitswesen eine Belobigung des Stifterverbandes.
Was wurde für die Marktübersicht untersucht?
In unserer Marktübersicht finden Sie Kurzbeschreibungen der besten deutschen Hochschulen in Sachen Weiterbildung. Folgende Punkte wurden für die Marktübersicht untersucht:
- Größe des Dozententeams
- Zahl der Weiterbildungsteilnehmer
- Weiterbildungsangebote im Bereich Führung/Management (inhaltliche Schwerpunkte, Teilnahmevoraussetzungen, Aufbau/Dauer, Teilnahmegebühren, Abschluss, Kontaktadresse)
- sonstige Weiterbildungsangebote
Marktübersicht: Weiterbildung an der Hochschule
Die prämierten Hochschulen
- Fachhochschule Konstanz
- Universität Augsburg
- Fachhochschule Nürnberg
- Universität Oldenburg
- Universität Witten-Herdecke
und ihre Weiterbildungsangebote werden im folgenden Beitrag (aus: 'Seminare 2005') vorgestellt.
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