Wie stellt sich der Markt dar?
Systemisches Denken und Handeln gilt als innovative Antwort auf die steigende Komplexität und Geschwindigkeit, mit der Unternehmen mithalten müssen. Entsprechend zeigt sich der Markt: In den vergangenen fünf bis zehn Jahren sind immer mehr systemische Berater auf die Bühne getreten. Inzwischen gibt es kaum einen Organisationsberater und kaum einen Ausbilder, der nicht von sich behauptet, dass er systemisch arbeitet, oder der nicht in seiner Imagebroschüre das Stichwort 'systemisch' an irgendeiner Stelle einflicht. Ob alle Anbieter, die sich auf dem Markt tummeln, das systemische Gedankengut wirklich verinnerlicht haben, ist daher fraglich. Es empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Anbieter.
Wie kommt man zur richtigen Ausbildung?
In Sachen 'Systemisches Denken und Handeln' vermitteln viele Anbieter in erster Linie Interventionstechniken, mit denen systemische Berater arbeiten. Das heißt: Sie konzentrieren sich auf die praktische Einübung von zirkulärem Fragen, Organisationsaufstellungen, paradoxen Interventionen und anderen Methoden, die häufig ihre Wurzeln in der systemischen Familientherapie haben. Weit weniger Anbieter vermitteln darüber hinaus sehr tief gehend den theoretischen Background, aus dem heraus die systemische Haltung erwächst. Diese Anbieter erörtern Herkunft und Zusammenhänge der verschiedenen systemischen Ansätze und halten die Teilnehmer zum Literaturstudium von Original- oder Sekundärquellen zur neueren Systemtheorie und zu weiteren Hintergründen an.
Wer eine systemische Ausbildung anstrebt, sollte sich somit zunächst überlegen, welches Ziel er mit der Ausbildung verfolgt und welche Erwartungen er hat: Möchte er vorwiegend erste Einblicke in die systemische Beratungsmethodik sammeln? Dann dürfte eine Ausbildung bei erst genannten Anbietern passend sein. Oder will der Interessent das systemische Gedankengut von Grund auf verstehen? In diesem Fall ist eher eine Ausbildung angezeigt, die über die Vermittlung von systemischen Interventionstechniken hinausgeht und eine breite theoretische Basis verschafft.
Ebenso sollte man als Ausbildungsinteressent überlegen: Will ich neben dem systemischen Ansatz weitere Ansätze kennen lernen, z.B. aus der klassischen Organisationsentwicklung, aus dem NLP, aus der Gruppendynamik? Oder will ich mich ganz auf den systemischen Ansatz konzentrieren? Im ersten Fall bietet sich eine 'bunte' Ausbildung an, im zweiten Fall eine Ausbildung, die auf systemische Ansätze fokussiert ist.
Nach Klärung der eigenen Ziele und Erwartungen gilt es, die Ausbildungen auf bestimmte Punkte hin zu checken:
- Themen und Lehrmethoden:
Welche inhaltlichen Schwerpunkte vermittelt die Ausbildung? Welche Lehrmethoden kommen zum Einsatz, und welche Lehrmaterialien werden verwendet? Stellt der Anbieter Literatur zu systemischen Themen und Theorien zur Verfügung oder gibt er Tipps für das Selbststudium von Artikeln, Büchern und Berichten zum systemischen Denken?
- Ausbilder:
Welchen Hintergrund haben die Ausbilder? Haben sie selbst eine systemische Ausbildung absolviert? Forschen sie eventuell nebenher? Publizieren sie zur Thematik? Stehen sie mit anerkannten systemischen Beratern in Kontakt und Austausch? Mit wem sind die Ausbilder sonst noch vernetzt?
- Praxis-Bezug:
Lässt sich innerhalb der Ausbildung ein eigenes Beratungsprojekt verfolgen? Sind die Arbeit an diesem Projekt sowie Feedback und Hilfestellungen hierzu ein wichtiger Bestandteil des Kurses? Gibt es Gelegenheit, einem erfahrenen Berater über die Schulter zu schauen?
- Transferhilfen:
Steckt der Ausbilder mit jedem Teilnehmer die individuellen Lernziele fest? Gibt es im Rahmen des Kurses Einzelberatungen oder Supervisionen für die Teilnehmer? Regt der Ausbilder die Bildung von Lernpartnerschaften und Peergroups an? Betreut er die Peergroups?
- Ausbildungsgruppe:
Wird in einer konstanten Teilnehmergruppe gelernt? Ist die Teilnehmergruppe groß (15 bis 20 Teilnehmer) oder klein (8 bis 12 Teilnehmer)? Achtet der Ausbilder auf eine homogene Zusammensetzung der Gruppe oder legt er Wert auf ein heterogenes Gruppenbild mit Teilnehmern aus verschiedenen beruflichen Richtungen?
- Seminarabschluss:
Ist am Ende der Ausbildung eine Abschlussprüfung zu absolvieren oder eine Projektarbeit vorzulegen?
Was wurde untersucht?
In der Marktübersicht werden 38 Ausbildungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz verglichen. Erfasst sind modular aufgebaute Ausbildungen, die offen zugänglich sind, also nicht firmenintern durchgeführt werden. Dabei konzentriert sich die Übersicht auf solche Anbieter, die ihre Ausbildung zum Organisationsberater als 'deutlich systemisch ausgerichtet' einstufen und die ihren Teilnehmern Zugang zu verschiedenen systemischen Ansätzen verschaffen. Das heißt: Nicht gelistet sind Ausbildungen, die rein auf klassische Organisationsentwicklung zielen. Ebenso wenig wurden Ausbildungen aufgenommen, die zwar systemisch sind, jedoch in erster Linie für Einzelberatungen und Coachings qualifizieren.
Bei den 38 gelisteten Ausbildungen zum systemischen Organisationsberater ist zunächst die Bezeichnung der Ausbildung angegeben und die Anbieteradresse genannt. Weiter wurden folgende Punkte untersucht:
- Teilnahmevoraussetzungen
- Systemische Grundlagen
- Themenschwerpunkte
- Praxisbezug und Transferhilfen
- Ausrichtung auf weitere Ansätze
- Besonderheiten der Ausbildung
- Anzahl der Ausbildungstage
- Dauer der Ausbildung
- Kosten
- Nächster Starttermin
Zeitpunkt der Erhebung: November 2003
38 Ausbildungen zum system. Organisationsberater
Wo Sie sich zum systemischen Organisationsberater qualifizieren können, verrät die managerSeminare-Marktübersicht.
zurück