Viele Trainer ohne Ausbildung
'Und was willst Du werden, wenn Du mal groß bist!' - 'Management-Trainer!' Noch nie habe sie eine solche Aussage gehört, wundert sich Jutta Häuser, Geschäftsführerin der Trainervermittlungsagentur Ypsylon mit Sitz in Dortmund. Dabei sei Trainer ein faszinierender
Beruf - und überhaupt: 'Einstiegsvoraussetzungen gleich null und dennoch alle Chancen der Welt!'
In der Tat: Die Markteintrittsbarrieren in den Trainerberuf sind nicht nur extrem niedrig, sie sind praktisch nicht vorhanden. Was ein Trainer können und leisten muss, ist bis dato staatlich nicht geregelt. Es gibt kein allgemein verbindliches Berufsbild, keine vorgeschriebene Ausbildung, keine Zugangsbeschränkung zum Beruf. Was nicht heißt, dass sich in der Branche kein Geld verdienen ließe. Die Tageshonorarsätze etablierter Trainer können sich sehen lassen. Dennoch: Den Traumberuf Management-Trainer haben nur wenige gezielt angepeilt, vielmehr prägen die Quereinsteiger die Branche: Psychologen, die der klinischen Beratung überdrüssig sind, arbeitslose Lehrer, outgesourcte Führungskräfte und pensionierte Offi ziere, für die der frühzeitige Ruhestand eine Horrorvorstellung ist.
Rund die Hälfte von ihnen, so schätzen Branchenkenner, besitzt keine spezielle Trainerausbildung, die eigene Qualifizierung beschränkt sich nicht selten auf ein schlichtes Learning-by-doing. Und auch von den ausgebildeten Trainern sind etliche eher schlecht als recht ausgebildet. Unter anderem, weil viele Lehrer, die in die Erwachsenenbildung wechseln wollen, glauben, sie seien bereits methodisch-didaktisch fit und bräuchten nur noch ein wenig betriebswirtschaftliches Basiswissen und etwas Management-Know-how.
Führungskräfte, die in den Trainerberuf wechseln, meinen dementsprechend, mit ein paar methodisch-didaktischen Kenntnissen hätten sie alles, um im Trainerberuf zu bestehen - der Rest ließe sich mit der langjährigen Berufs- und Führungserfahrung kompensieren.
Was ein Trainer können sollte
Trainer-Handwerkszeug
- Auftragsklärung
- Konzeption von Trainings
- Verkauf von Trainings
- Durchführung von Trainings (sinnvolle Anordnung der Seminarinhalte, Festlegung der Mischung aus Theorie und Praxis, Auswahl von Übungen, Moderation und Visualisierung, Einsatz von Medien, wirkungsvoller Auftritt vor der Gruppe)
- Evaluation von Trainings
Methoden- und Sozialkompetenz
- Methodische Grundlagen (NLP, TZI, TA, Gestalttherapie, Systemische Therapie, Suggestopädie, Kognitive Verhaltenstherapie u.a.)
- Selbsterfahrung Erfahrung im Umgang mit Menschen
Expertenwissen
- Branchenerfahrung
- Führungserfahrung
- Spezielle Erfahrungen aus einer Tätigkeit
Wie kommt man zur richtigen Trainerausbildung?
Jede Trainerausbildung ist anders, sowohl methodisch und thematisch als auch hinsichtlich ihrer Zielgruppen und Ausbildungsziele. Daher sollte man sich seinen Ausbilder nach folgenden Gesichtspunkten auswählen:
- Ausbildungsziel: Wofür braucht man die Ausbildung? In welcher Branche will man später tätig werden? Welche Trainings möchte man später anbieten?
- Ausbildungsdauer: Zu kurze Ausbildungen sind meist nicht effektiv, mind. 15 Präsenstage sollten dafür veranschlagt werden.
- Qualität des Ausbildungsinstituts: Wie lange ist das Institut schon am Markt? Welche Referenzen kann es vorweisen?
- Praxisbezug der Ausbildung: Führt man während der Ausbildung selbstständig Trainingssequenzen durch? Gibt es Hospitanzen?
- Betreuung während der Ausbildung: Wird man in der Ausbildung individuell betreut? Gibt es reichlich Feedback? Sind Supervisionen geplant?
- Qualifikationen der Ausbilder: Wer betreut die Ausbildung? Gibt es einen oder mehrere Ausbilder? Welchen Hintergrund und berufliche Erfahrung bringen die Ausbilder mit?
- Vermittlung von Methodik und Theorie: Es sollte ein Überblick über die gängigen psychologischen Methoden und Trainingsphilosophien vermittelt werden: Was gibt es, wie und wann kann man welche Methoden einsetzen?
- Vermittlung von Trainingstools: Eine gute Ausbildung sollte auch den richtigen Einsatz von Tools vermitteln, die den Trainer in seiner Arbeit unterstützen, z.B. TMS oder HDI.
- Abschlussprüfung: Gibt es eine Abschlussprüfung? Wird die Ausbildung kostenlos weitergeführt, wenn die Abschlussprüfung nicht bestanden wird?
- Unterstützung nach der Ausbildung: Unterstützt das ausbildende Institut seine Absolventen beim Start in den Trainingsmarkt, z.B. mit fertigen Trainingskonzepten, Marketingberatung, Kontakten zu erfahrenen Trainern?
Was wurde untersucht?
In der unserer Marktübersicht wurden 27 Train-the-Trainer-Lehrgänge im deutschsprachigen Raum miteinander verglichen.
Die Marktübersicht nennt die Ausbildungen sowie Namen und Anschriften der Anbieter. Auf folgende Punkte wurde beim Vergleich der Ausbildungen geachtet:
- Teilnahmevoraussetzungen
- Inhaltliche Schwerpunkte
- Lehrmethoden
- Abschluss
- Dauer
- Kosten
- Termine/Ort
Zeitpunkt der Erhebung: Juli 2006
Marktübersicht: 27 Train-the-Trainer-Lehrgänge
Die Marktübersicht 'Train-the-Trainer-Lehrgänge' (aus: 'Jahrbuch Seminare 2007') inkl. einem Fachartikel zum Thema 'Der Weg zum Trainer - mehr als Learning by Doing' können Sie hier als PDF-Datei laden.
zurück