Mediationsausbildungen: Das Spektrum ist breit
Moderieren, Beobachten, Meinungen zusammenfassen - all das sind Tätigkeiten, die jeder Trainer täglich anwendet. Doch ist er deshalb schon ein Mediator? Zumindest dürfte er mit diesen Voraussetzungen kaum Chancen haben, an entsprechende Aufträge zu kommen. Mediation als professionelles Verfahren muss erlernt werden und benötigt Zeit sowie Erfahrung, um entsprechende Kompetenzen aufzubauen und stimmig in der Rolle des Mediators zu agieren.
Die Möglichkeit dazu bietet sich im Rahmen verschiedener Lehrgänge, von denen ein Teil speziell auf die Bedürfnisse von Wirtschafts- und Organisationsmediatoren zugeschnitten sind. Hinsichtlich ihrer Inhalte, Struktur und Dauer fallen diese Kurse recht unterschiedlich aus. Das Spektrum reicht von mehrtägigen Intensivseminaren, die Führungskräfte mit mediatorischem Grundlagen-Know-how ausrüsten, über mehrsemestrige universitäre Fern- und Aufbaustudiengänge bis hin zu nicht-akademischen berufsbegleitenden Ausbildungen, die sich die 200-stündige Unterrichtsvorgabe der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation zum Vorbild genommen haben.
Die Spannbreite erklärt sich zum einen damit, dass nicht jeder das Mediieren gleich zu seinem Beruf machen will. Vielen Führungskräften ist beispielsweise daran gelegen, eine neue Methode des Konfliktmanagements zu beherrschen, um bei Streitereien im Unternehmen künftig nicht mehr rat- und tatenlos daneben stehen zu müssen. Zum anderen bringen zahlreiche Mediatoren in spe bereits Vorkenntnisse aus ihren Ursprungsberufen mit und wollen sich redundante Ausbildungsinhalte verständlicherweise ersparen. Sie setzen eher auf punktuelle Maßnahmen, um gezielt Know-how-Defizite zu beheben.
Allgemeingültige Standards für die Ausbildung und die Arbeit von Wirtschaftsmediatoren existieren derzeit noch nicht. Wie in der Weiterbildungsbranche üblich, haben sich einige Verbände dem Ziel verschrieben, entsprechende Qualitätsstandards zu erarbeiten, z.B. die Deutsche Gesellschaft für Mediation in der Wirtschaft in Stuttgart, das eucon - Europäische Institut für Konfliktmanagement e.V. in München oder der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt, Augsburg.
Doch eine allseits anerkannte Instanz wie die 1992 gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation, die die Ausbildung und Arbeit der in diesem Bereich tätigen Mediatoren erheblich standardisiert hat, gibt es nicht. Das ist letztlich auch darauf zurückzuführen, dass die Mediation im Bereich der Wirtschaft von vielen unterschiedlichen Professionen - Juristen, Psychologen, Trainern, Unternehmensberatern sowie Organisations- und Personalentwicklern - betrieben wird.
Sehr wohl aber gibt es eine gemeinsame Schnittmenge an Kenntnissen und Kompetenzen, die jeder gute Mediator mitbringen und jede gute Ausbildung vermitteln sollte:
- Dazu gehört neben den Grundsätzen des Verfahrens wie Allparteilichkeit und Neutralität auch das Wissen um die eigene Rolle als Mediator und die Routinen im Ablauf des Procedere.
- Auch mit verschiedenen Konfliktformen und -konstellationen bezogen auf die Unternehmenswelt sollte eine Mediationsausbildung mit Schwerpunkt Wirtschaft vertraut machen.
- Zudem sollten - besonders wichtig für Konflikte auf der zwischenbetrieblichen Ebene - juristische Grundkenntnisse auf dem Programm stehen. Wenn er beispielsweise dabei hilft, einen Streit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer um ein schlechtes Arbeitszeugnis beizulegen, muss der Mediator die juristischen Rahmenbedingungen kennen.
- Auch ein grundlegendes betriebswirtschaftliches Know-how ist notwendig, um die Abläufe und wettbewerblichen Rahmenbedingungen in einem Unternehmen zu verstehen.
- Ein Wirtschaftsmediator sollte die Machtverhältnisse und Arbeitsabläufe, wie sie in Unternehmen herrschen, auch aus eigener Anschauung kennen. Besitzt er nicht die entsprechende
Feldkompetenz, gefährdet das den Erfolg seiner Vermittlungsbemühungen erheblich: Nicht nur, weil ihm wichtiges Hintergrundwissen fehlt, sondern auch, weil seine Klientel rasch durchschaut, ob er ihre Welt kennt oder nicht. Und davon wiederum hängt ab, ob er in seiner Rolle akzeptiert wird.
Was wurde für die Marktübersicht untersucht?
Unsere Marktübersicht gibt Ihnen einen Überblick über 27 verschiedene Ausbildungen, die ihren Schwerpunkt auf die Wirtschaftsmediation setzen.
Folgende Punkte wurden für die Marktübersicht besonders betrachtet:
- Teilnehmer/Zielgruppe
- Inhaltliche Schwerpunkte
- Lehrmethoden
- Abschluss
- Dauer
- Kosten
- Termine
Zeitpunkt der Erhebung: August 2008
27 Ausbildungen zum Wirtschaftsmediator
Die Marktübersicht '27 Ausbildungen zum Wirtschaftsmediator' inkl. detaillierten Hintergrundinformationen zum Thema Mediation (u.a. die vier Grundsätze des Mediationsverfahrens, die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale des Mediators sowie ein Blick in den Werkzeugkoffer des Mediators) können Sie hier als PDF-Datei laden.
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