1. Sofort Feedback geben
Oft reicht die Mitteilung einer kleinen Beobachtung völlig aus, um einem Mitarbeiter oder Kollegen etwas Wichtiges über ihn selbst mitzuteilen und ihn sehr nachdenklich zu machen. Machen Sie es sich deshalb zur Gewohnheit, jede Form der Zusammenarbeit mit einem Feedback abzuschließen, sei es ein Team-Meeting, eine Kundenpräsentation oder ein Mitarbeitergespräch. Zumeist ist es ganz einfach, ein schnelles Feedback vorab zu vereinbaren.
Beispiel:
'Frau Jungbluth, ich wünsche Ihnen viel Erfolg für die Präsentation. Wenn Sie nichts dagegen haben, gebe ich Ihnen später in der Pause gerne eine kurze Rückmeldung zu Ihrem Auftritt.'
Sie können auch schwierige Kritikpunkte offen ansprechen, wenn Sie von Ihren konkreten Beobachtungen ausgehen und entsprechend formulieren. Denn dann wird dem Angesprochenen
klar, dass nicht seine Person zur Diskussion steht, sondern nur ein bestimmtes Verhalten. Und Verhaltenskritik anzunehmen und an Verbesserungen zu arbeiten fällt bei Weitem leichter, als Pauschalverurteilungen zu akzeptieren.
Übung: Festgefahrene Situationen lösen
Vielleicht fällt Ihnen jetzt etwas ein, worauf Sie einen Kollegen oder Mitarbeiter schon immer einmal in taktvoller Form hinweisen wollten, weil es für Ihre Zusammenarbeit von Bedeutung ist. Notieren Sie es hier:
Darauf wollte ich Kollegen/Mitarbeiter schon immer ansprechen:
1. Name:
Feedback:
2. Name:
Feedback:
Vermutlich spürten Sie beim Schreiben eine leichte Hemmung: In der Regel kommen wir Kollegen oder Mitarbeitern nicht so nahe, wie Sie es soeben versucht haben. Oft verbergen wir unsere Absicht in Ironie, Sarkasmus oder Nebenbemerkungen.
2. Feedback motivierend formulieren
Ein komplettes Feedback besteht aus zwei bis drei Teilaussagen. Beachten Sie dabei diese Reihenfolge:
- Beschreiben Sie das beobachtete Verhalten – wertneutral und nachvollziehbar für Ihr Gegenüber. Denn nur wenn der Angesprochene das Gefühl 'Ich erfahre Wertschätzung' hat, entsteht in ihm die Bereitschaft, sich auf die Rückmeldung einzulassen.
Beispiel:
Bewertend sind Aussagen wie: 'Das war gut', 'Das war schlecht'. Beschreibend wird daraus: 'Das hat mir gefallen...', 'Das hat mich gestört/mir nicht gefallen...'.
Wichtig:
Überfordern Sie Feedback-Laien nicht, indem Sie zu viele Punkte ansprechen. Konzentrieren
Sie sich in Ihrem Feedback auf eine, maximal zwei Beobachtungen - das ist für den Angesprochenen
schon eine große Herausforderung.
- Melden Sie das persönliche Gefühl zurück, das in Ihnen bei diesem Verhalten entsteht: 'Das hat auf mich gewirkt wie... und ausgelöst...', 'Das hat mich geärgert und wütend gemacht...'
- Ergänzen Sie dies gegebenenfalls um einen Vorschlag, wie Sie sich eine Veränderung des Ist-
Zustandes vorstellen ('Mir wäre es lieber, wenn...', 'Ich würde mir von Ihnen wünschen, dass...'). Diesen können Sie aber auch im weiteren Verlauf des Gesprächs einflechten.
Übung: Feedback vervollständigen
Betrachten Sie noch einmal Ihre Notizen aus der ersten Übung oben. Komplettieren Sie diese jetzt zu vollständigen Feedback-Aussagen mit Wahrnehmung, Gefühl und gegebenenfalls Zukunftswunsch.
Meine komplette Feedback-Botschaft an den Kollegen/Mitarbeiter:
Name:
Feedback Nr. 1:
Feedback Nr. 2:
Feedback Nr. 3:
Fertig? Dann los! Sprechen Sie dem Kollegen oder Mitarbeiter gegenüber Ihr Feedback aus, gleich beim nächsten Anlass.
3. Feedback als Vergleich oder Bild formulieren
Können Sie Ihre Meinung zu einem Mitarbeiter oder Kollegen und zu seinem Verhalten nur schwer beschreiben, hilft es manchmal, die Phantasie schweifen zu lassen und auch auf Einfälle zu achten, die sich spontan einstellen.
Beispiele:
'Mit Ihnen würde ich gerne im Boxring stehen/eine Urlaubsreise machen/in unterschiedlichen Stadt-Teilen wohnen.' oder 'Sie wirken auf mich wie ein Lehrer - dozierend, Wissen vermittelnd, aber unnahbar.
In bildhafter Form wird es plötzlich möglich, auch Aggression oder Zuneigung, Sachbezug
oder Rivalität, Desinteresse oder Dominanz als Feedback zu äußern. Doch Vorsicht: Vergleiche mit Personen oder Berufsgruppen und sonstige Typisierungen (Macho, Emanze…) bieten immer nur ein grobes Raster. Sie können nur einen allerersten Eindruck wiedergeben, den Sie mit weiteren Ausführungen konkretisieren sollten.
Übung: Bilder und Vergleiche finden
Vielleicht fällt Ihnen jetzt ein Vergleich oder ein Bild ein, das Sie schon immer zu einem Mitarbeiter oder Kollegen im Kopf hatten. Notieren Sie es gleich hier, am besten in wörtlicher Rede.
Name:
Feedback als Bild oder Vergleich:
4. Feedback nach dem Sandwich-Prinzip geben
Es gibt Situationen, in denen Sie sowohl Positives als auch Negatives zurückmelden wollen. Für solche Fälle eignet sich der 'Sandwich-Stil'. Dabei verpacken Sie den kritischen Punkt wie Aufschnitt zwischen zwei Brotscheiben in lobende Aussagen.
Beispiel:
'Mir hat an Ihrem Vortrag ganz besonders gut gefallen, wie frei Sie ihn gehalten haben. Auch dass er inhaltlich genau auf die Zielgruppe abgestimmt war, fand ich sehr gut. Als ich zwischendurch einige Fakten mitschreiben wollte, merkte ich, dass mir das beim Zuhören nicht gelang. Dafür hätte ich mir doch einige Folien gewünscht. Ich fühle mich von Ihren Ausführungen aber äußerst angeregt, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Sie haben wirklich eine eindrucksvolle Art, Ihr Thema den Menschen nahe zu bringen.'
Das Beispiel zeigt: 'Mir hat besonders gefallen, wie Sie...' mit der Angabe des konkreten 'Gefall-Punktes' ist eine besonders motivierende Art der Rückmeldung. Wenn Sie dann noch auf einschränkende Ausdrücke ('im Allgemeinen', 'im Großen und Ganzen', 'mehr oder weniger') und Verallgemeinerungen ('immer', 'ständig', 'dauernd') verzichten, wirkt Ihr Lob garantiert - trotz der gleichzeitig geäußerten Kritik.
Achtung:
Wenden Sie das Sandwich-Modell nicht zu mechanisch an, sonst treten unerwünschte Lernprozesse bei Ihren Mitarbeitern auf: Sobald Sie etwas Nettes sagen, reagieren diese angespannt, weil sie auf die nachfolgende Kritik warten... Dennoch ist die Idee richtig und gut: Lob öffnet einen Menschen - auch für Kritik.
5. Mit Feedback führen
Wenn Sie die Strategien eins bis vier umgesetzt haben, sind Sie so gut im Feedback-Geben, dass Sie nicht erst warten müssen, bis das Kind im Brunnen liegt (Sie also negatives Feedback geben müssen). Vielmehr können Sie jetzt positives Feedback als Führungsinstrument einsetzen. - Wie geht positives Feedback?
Beispiel:
Karl Werner ist Vertriebsleiter bei einem Bautechnik-Hersteller. Er hat festgestellt, dass einige seiner Verkäufer ihre Kunden viel zu früh auf bestimmte (ertragsträchtige) Produktvarianten festlegen. Die Mitarbeiter, bei denen er dieses Verhalten beobachtet, spricht er unter vier Augen in Feedback-Gesprächen darauf an. Bei allen anderen Mitarbeitern steuert er mit positivem Feedback
frühzeitig gegen. Zu seinem jüngsten Verkäufer sagt er zum Beispiel: 'Mir ist beim Lesen Ihres Besuchsberichts beim Neukunden Schmidt-Werke aufgefallen, dass Sie erst im zweiten Gespräch
über Produktvarianten gesprochen haben. Das gefällt mir. So wird der Kunde keine Probleme machen, weil er sich zu früh in eine bestimmte Ecke gedrängt fühlt.'
Glauben Sie, dieser junge Mitarbeiter wird jemals mit einem Kunden zu früh Varianten diskutieren? Nicht nach diesem überschwänglichen Lob vom Chef! Genau das wollte Karl Werner damit erreichen.
Quelle und Linktipp
Dieser Beitrag ist dem Praxishandbuch 'leiten - führen - motivieren' (früher 'Kommunikation im Management') entnommen. 'leiten - führen - motivieren' ist ein Praxis-Ratgeber für Führungskräfte, die hier Tipps, Checklisten und Know-how für ihre tägliche Arbeit finden.
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