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Authentizität im Management

Authentizität im Management

Ein Mensch zeigt Authentizität, wenn er sich nicht vorgegebenen Wahrheiten anpasst, sondern seine eigene persönliche Souveränität bewahrt und unabhängige Wertemaßstäbe ansetzt. Wenn Führungskräfte authentisch sind, bringen ihnen ihre Mitarbeiter mehr Vertrauen entgegen. Zudem strahlen Sie Charisma aus und können leichter eigene Entscheidungen fällen und durchsetzen. Wir verraten, welche Vorteile authentisches Management darüber hinaus noch mit sich bringt und wie sich Authentizität entwickeln lässt.


Was zeichnet authentische Menschen aus?

Authentische Menschen

  • sind sich ihrer eigenen Persönlichkeit bewusst und können unabhängig von Status und Kompetenz zu sich selbst Stellung beziehen.
  • sind sich ihrer Wertemaßstäbe bewusst und fällen Entscheidungen unter Einbeziehung der Alternativen nach eigenen, unabhängigen Maßstäben.
  • sind sich der Existenz widersprüchlicher Wahrheiten bewusst, können diese wertfrei identifizieren und unterschiedliche Perspektiven erkennen.
  • haben sich für den eigenen, persönlichen Lebensweg entschieden. Sie unterdrücken nicht ihre inneren Bedürfnisse, um fremde Ansprüche zu erfüllen, sondern entwickeln ihr eigenes Selbstverständnis.


Was heißt Authentizität im Management?

Authentische Führungskräfte schaffen Vertrauen, weil man sich auf ihr Wort verlassen kann. Sie beeindrucken durch ihre eigenständige Persönlichkeit. Aufgrund ihrer hohen Identifikation und ihres unabhängigen Charakters haben sie den Mut, eigene Entscheidungen zu fällen und gegebenenfalls gegen den Widerstand anderer durchzusetzen. Kurz: Sie beeindrucken durch ihr erfolgreiches Führungsverhalten.

Eine solche Führungsqualität begegnet uns in der Regel als Ausnahmeerscheinung. Damit ein authentisches Management entstehen kann, braucht es offensichtlich ganz besondere Rahmenbedingungen. Und hier liegt das Problem:

In der Mehrheit der hierarchischen Organisationen herrscht eine Atmosphäre der Unterordnung. Um leistungsfähig und erfolgreich zu sein, sind die Mitarbeiter gezwungen, sich den laufenden Prozessen und dem System anzupassen. Selbst ein gutes Vorschlagswesen oder intensive Personalentwicklung bewirken wenig, wenn Gehorsam und Dienst nach Vorschrift mehr honoriert werden als eigenverantwortliche, ergebnisorientierte Entscheidungsfähigkeit.

In den meisten Unternehmen dominiert deshalb ein Managertyp, der wenig authentisch ist. Er ist eher als angepasst, funktionell und technokratisch zu bezeichnen. Er tut das, was von einem verlangt wird, bestenfalls das, was der eigenen Karriere dient. Aber so sind komplexe Führungsaufgaben nicht zu lösen.


Die Vorteile authentischen Managements

In Zeiten der Veränderung und des Wandels wird regelmäßig der Ruf nach authentischen Managern laut. Weitreichende, oft unangenehme Entscheidungen sind gefragt, die von starken Führungspersönlichkeiten getragen werden müssen. Es geht nicht darum, das Bestehende zu verwalten, sondern mit Weitblick Neues zu gestalten. Dazu gibt es keine Vorbilder, die man kopieren kann. Es geht darum, Visionen zu schaffen, Zukunftsbilder, die sich an Werten orientieren, denen man bereit ist zu folgen. Ein authentisches Management kann in solchen Zeiten entscheidend mehr leisten.

  1. Authentizität als Voraussetzung für Innovation und Veränderung
    Ein authentisches Management schafft in Zeiten der Veränderung und des Wandels einen vielseitigen, kommunikativen Kompetenzpool. Dort, wo bisherige Maßstäbe sich als falsch erweisen, schafft der kreative Input eigenständiger Führungskräfte neue Perspektiven und Positionen.

  2. Authentizität schafft effiziente Entscheidungsspielräume
    Der authentische Manager orientiert sich an einem eigenen Wertesystem und fühlt sich deshalb von äußeren Kriterien oder Konventionen unabhängig. Aufgrund des autonomen Selbstbildes eröffnen sich ihm eine Vielzahl von Handlungsalternativen, die dem angepassten Manager aufgrund seiner eingeschränkten Sichtweise verschlossen bleiben. Die autonome Auswahl aus dem komplexeren Angebot ermöglicht zielführende, bessere Lösungen und somit ein Höchstmaß an Effizienz.

  3. Authentizität schafft Sicherheit und Glaubwürdigkeit
    Besonders in Krisen kann ein authentisches Management unabhängig von Status und Machtinteressen Position beziehen und Orientierung geben. Die Mitarbeiter erleben, dass nicht auf äußere Störfaktoren reagiert, sondern nach langfristigen und unabhängigen Kriterien entschieden wird. Die gewonnene emotionale Kontinuität hilft Konflikte zu verhindern und schafft Akzeptanz für notwendige Veränderungen.


Was die Entwicklung von Authentizität behindert

Authentizität ist Ausdruck einer selbstbewussten, gelebten Persönlichkeit. Der beklagte Mangel an Authentizität im Management ist aber nicht in unzureichender Begabung begründet, sondern das Ergebnis von Erziehung und Sozialisation und somit auch ein gesellschaftspolitisches Problem.

Da wir im Laufe unserer Entwicklung von Lob und Zuwendung unserer Eltern, Lehrer und Vorgesetzten abhängig sind, lassen wir uns konditionieren. Wir übernehmen die Einstellungen anderer, um dazuzugehören. Wir fügen uns in das System, lernen und suchen unseren Platz in der Gesellschaft.

Grundsätzlich ist dieser Vorgang sehr sinnvoll, weil er jedem die Chance bietet, neue Erfahrungen zu machen, verschiedene Sichtweisen kennenzulernen und in seiner Umgebung zu reifen. Authentizität kann aber nur dort entstehen, wo Eigenverantwortlichkeit unabhängig von materiellen Interessen gefördert wird.

Während die Kriegsgeneration und die der frühen 50er Jahre vielfach noch von Verzicht und idealisierten Wertevorstellungen geprägt waren, wurde das heutige Management in der Kindheit überwiegend für den Erfolg in einer materialistischen Gesellschaft 'dressiert'. Die Norm, sich in der Gesellschaft einen bevorzugten Platz zu erkämpfen, steht der bewussten Entscheidung für den eigenen Lebensweg oft im Wege.

Sowohl unser staatliches Schulsystem wie das aktuelle Selbstverständnis von Weiterbildung sind mitverantwortlich für den Mangel an Authentizität im deutschen Management. Seit Jahrzehnten wird fast ausschließlich Fachwissen vermittelt, sowohl in den Schulen als auch in der beruflichen Weiterbildung. Sozialkompetenzen und Persönlichkeitsentwicklung werden sträflich vernachlässigt.

Der Fehler liegt in dem Glauben, Menschen nur durch 'Verhaltensdressur' auf ihre berufliche Laufbahn vorbereiten zu können. Das Ergebnis sind mit Techniken überfrachtete Manager mit unterdrückter Persönlichkeit - das verhindert Authentizität.


So lässt sich Authentizität entwickeln

Ein authentisches Management ist nicht kurzfristig durchzusetzen. Wer es damit ernst meint, muss auf verschiedenen Ebenen die Rahmenbedingungen schaffen, um einer Entwicklung von Persönlichkeit Raum zu geben. Vorrangig lassen sich drei Reformansätze nennen:

  1. Eine Unternehmenskultur des Vertrauens, die eigene Meinungen wieder honoriert, ist ein geeigneter Nährboden für Authentizität. Dazu bedarf es einer transparenten Führung, die Querdenker und Individualisten fördert und Entscheidungen als nachvollziehbares Ergebnis eines kreativen Prozesses gestaltet. Erster Ansatz zur Entwicklung einer neuen Kultur ist ein Identitäts-Workshop, an dem Führungskräfte und Mitarbeitervertreter freiwillig und demokratisch ein Leitbild entwickeln, das von der Geschäftsleitung vorgelebt wird.

  2. Eine Personalentwicklung, die sich für das persönliche Wachstum der Führungskräfte verantwortlich fühlt, schafft den Managern den Raum, sich vom Verhaltenstraining zu 'entlernen'. Antrainiertes Verhalten und eingefahrene Glaubensmuster sind so zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern, um die Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen. In der Praxis heißt das: Offene Persönlichkeitstrainings erhalten den Vorzug vor lerntechnisch orientierten Inhouse-Seminaren.

  3. Die Schulpädagogik ermöglicht unseren Kindern über die Wissensvermittlung hinaus einen persönlichen Reifungsprozess. Fächerübergreifendes, projektorientiertes Lernen schafft neue Erfahrungshorizonte und lehrt eigenverantwortliches Arbeiten - auch unter Einbindung der Eltern. So ist es möglich, junge Menschen schon früh zu selbstbewusstem und ergebnisorientiertem Handeln zu erziehen.


Zwei Tipps auf dem Weg zu mehr Authentizität

Auch wenn die eigene Entwicklung sehr vom persönlichen Umfeld geprägt wird, können Sie diese täglich beeinflussen, indem Sie sich Hilfe und Unterstützung holen.

  1. Hören Sie auf Ihre Gefühle
    Gefühle und Körpersignale sind gute Gesprächspartner auf dem Weg zu mehr Authentizität. In der Regel verstehen wir unsere positiven Gefühle als Bestätigung für unser Handeln und folgen ihnen. Unangenehme Gefühle wie Schmerz, Angst, Wut und Trauer müssen wir dementsprechend als Warnung erkennen. Statt diese Signale zu unterdrücken, sollten wir sie als Aufforderung akzeptieren, etwas an unserem Leben zu ändern und es so selbst zu bestimmen.

    Wer seine negativen Gefühle nicht mehr wahrnimmt oder sie auf Dauer unterdrückt, gefährdet langfristig seine Gesundheit. Rückenschmerzen, Magenbeschwerden oder psychosomatische Erkrankungen sind die Folge. Diese Körpersignale sind Hilferufe für notwenige Veränderungen in Ihrem Leben. Selbstbestimmte Momente des Wandels sind immer Chancen zu mehr Authentizität.

  2. Finden Sie Ihren persönlichen Weg
    Forderungen, Bedürfnisse, Ansprüche und widersprüchliche Gefühle: Wer in diesem Dschungel seinen eigenen Weg finden will, braucht Bestätigung und Unterstützung. In der Jugend können das die Eltern leisten. Im Beruf sollten Sie einen Coach zu Rate ziehen. Hier finden Sie einen kompetenten Gesprächspartner, der Ihren echten, oft verschütteten Bedürfnissen auf den Grund gehen kann.

    Noch konsequenter ist Ihre Entscheidung für Persönlichkeitstrainings. Ein solches Training erkennen Sie daran, dass keine Inhalte vorgegeben werden, sondern der Seminar-Rahmen vom Teilnehmer selbst mit Inhalt zu füllen ist. Schon im methodischen Ansatz wird hier praktiziert, was Authentizität ausmacht: Eigenverantwortliches Handeln aus der selbstbestimmten Persönlichkeit heraus.
So prägen Sie Ihr Bewusstsein auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit. Seminare sind notwendige Meilensteine, die uns die Kraft geben, über den Schatten unserer Sozialisation zu springen, unsere anerzogenen Normen zu überwinden und zur eigenen Authentizität zu finden.


Quelle und Linktipp

Dieser Beitrag wurde managerSeminare online mit freundlicher Genehmigung von Michael Blochberger zur Verfügung gestellt. Michael Blochberger ist Gründer des Institutes für Corporate Identity & Teamentwicklung (CIT) und seit vielen Jahren als Persönlichkeitstrainer und Coach für Emotionale Intelligenz, Work-Life-Balance und Humor im Unternehmen tätig. Weitere Tipps zum Thema Management und Führung liefert der kostenlose EQ-Newsletter von CIT, zu bestellen auf der CIT-Website.


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