Aus dem Inhalt
Was einige im Publikum womöglich überrascht haben könnte: Selbst der
Burnout – der totale seelische Zusammenbruch – ist etwas, das es aus der Sicht Schmidts zu würdigen gilt, weil es einen immanenten Wert hat. Schmidt scherzte in seinem Vortrag: 'Wenn Sie in Richtung Burnout also schon Erfolg hatten, können Sie stolz auf sich sein.' Dafür hat man nämlich auf keinen Fall 'fünfe gerade sein lassen': 'Wenn Sie das tun, dann kommt der Burnie nicht zu Ihnen zu Besuch', warnte er das nun lachende Publikum.
Die Witzeleien rund um den 'Burnie' – ein Running Gag, der während des Vortrags noch häufiger auftauchte – hatten einen ernsten Kern. Denn Schmidt geht es darum, den Burnout nicht als Feind, sondern als Verbündeten zu betrachten. 'Üblicherweise erleben Menschen, die einen Burnout erlitten haben, dies als Unfähigkeit, als Defizit. Sie fühlen sich als Opfer der Umstände und spüren keinen Zugang mehr zu ihren Selbstwirksamkeitskompetenzen.' Und: 'Sie sind umzingelt von Menschen, die den Burnout als Schwäche deuten.' Das verstärke das Problem noch, ist Schmidt überzeugt.
Ganz anders die Lage, wenn man den Burnout als 'sehr intensiven Feedbackprozess'
betrachtet, der sich aus intuitiven Kompetenzen speist. Nach dieser Lesart ist er zwar
immer noch ein leidvoller Prozess, gleichzeitig aber auch 'ein konsequenter unbestechlicher Ausdruck' für die ihm zugrunde liegenden eigentlich wertvollen Qualitäten. Dafür, dass jemand so nicht weitermachen sollte wie bisher. Oder ein Signal des Unbewussten, dass jemand in einer Situation steckt, die mit seiner Werthaltung nicht mehr übereinstimmt.
Durch Anerkennung dieser Prozesse als Ausdruck von (Lösungs-)kompetenzen bzw. Teil der Lösung, erlebt sich der Klient nicht mehr als Opfer, sondern als Akteur. Auf dieser Grundlage kann mit hypnosystemischen Interventionen der Fokus der
Aufmerksamkeit auch auf den anderen, den ressourcenreichen Teil der Lösung gelenkt
werden. Zu dem nämlich war der Zugang bisher verstellt, weil aus dem Unterbewusstsein aufsteigende Bilder und Affekte (die z.B. einer tiefen inneren Sehnsucht nach Anerkennung entspringen können) unwillkürlich eine Problem-Trance ausgelöst haben.
Seit einigen Jahren verzeichnet Schmidts Siedelsbrunner Klinik Systelios immer mehr
Burnout-Patienten. Die Ursachen sieht der Seelenkenner nicht nur darin, dass sich
Menschen zu hohe Ziele setzen, sondern vor allem in den Gegebenheiten der heutigen
Arbeitswelt: 'Menschen sollen sich an Aufgaben beteiligen, in denen sie keinen
Sinn sehen. Sie erfahren keine Anerkennung für ihre Arbeit. Oder ihr Engagement wird gegen sie missbraucht.' Daher fällt es vielen immer schwerer, innerlich 'Ja' zu ihrem Tun zu sagen, so Schmidt. Dieser ständige innere Kampf mit sich selbst sei das eigentlich Erschöpfende.
Sylvia Jumperts, managerSeminare