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Rubrik: Karriere, Medienart: Buch
Zwygart, Ulrich

Wie entscheiden Sie?

Cover

Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen - mit Fallbeispielen von Hannibal über John F. Kennedy bis Jack Welch

3. Auflage 2007, 271 S., geb.

Wie trifft man Entscheidungen in schwierigen Situationen? Intuitiv oder rational? Welche Rolle spielen Berater oder die Wertvorstellungen des Entscheiders? Lässt sich Entscheiden trainieren? Ulrich Zwygart beantwortet die wichtigsten Fragen zur Entscheidungsfindung. Entscheidungsrelevante Faktoren wie Ziel, Zeit, eigene Mittel und Optionen sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken werden anhand von zehn bedeutenden historischen Fallbeispielen beurteilt. Daraus werden praxisnahe Erkenntnisse für Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Armee abgeleitet.


Preis: 29,00 EUR
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Aus dem Inhalt "Wie entscheiden Sie?"

Zehn historische Fallbeispiele:

Hannibal nach seinem Sieg bei Cannae, 216 v. Chr.
Emmanuel de Grouchy bei Waterloo, 1815
Edward J. Smith und die Titanic, 1912
Ernest Shackleton auf Elephant Island, 1916
Alfred P. Sloan und der luftgekühlte Motor, 1922
George C. Marshall und der Ausbau der US-Streitkräfte, 1938
Terence Otway am D-Day in der Normandie, 1944
John F. Kennedy und die sowjetischen Atomwaffen auf Kuba, 1962
Tom Karremans bei Srebrenica, 1995
Jack Welch und die Auswahl seines Nachfolgers, 2000

Rezension:

Eine ganze Reihe von Veröffentlichungen rankt sich bereits um das Thema 'Entscheidungsfindung' und vor nicht langer Zeit wurde auch bei MWonline erneut ein solches typisches Werk vorgestellt:
'Richtig entscheiden' von Ute C. Blasche:
http://mwonline.de/db/literatur/lit_display.php3?l_id=1009

Doch der Autor des hier besprochenen Buches möchte sich bewusst und gezielt aus dieser 'handelsüblichen' Tradition abheben und wählt einen eher historischen als rein sachlich-faktischen Zugang zu diesem Thema. Nach einigen einleitenden Gedanken zum Entscheidungsprozess wie etwa zur Herkunft des Wortes 'aus der Scheide ziehen' stehen im Mittelpunkt 10 tatsächliche Fallbeispiele der Geschichte, und zwar in chronologischer Reihenfolge:

1. Hannibal nach seinem Sieg bei Cannae, 216 v. Chr.
2. Emmanuel de Grouchy bei Waterloo, 1815
3. Edward J. Smith und die Titanic, 1912
4. Ernest Shackleton auf Elephant Island, 1916
5. Alfred P. Sloan und der luftgekühlte Motor, 1922
6. George C. Marshall und der Ausbau der US-Streitkräfte, 1938
7. Terence Otway am D-Day in der Normandie, 1944
8. John F. Kennedy und die sowjetischen Atomwaffen auf Kuba, 1962
9. Tom Karremans bei Srebrenica, 1995
10. Jack Welch und die Auswahl seines Nachfolgers, 2000.

Alle Fallbeispiele folgen dabei konsequent einem durchgängigen Muster der Darstellung:

Biographische Notizen
Ausgangslage
Fragen
Optionen und ihre Chancen und Risiken
Entscheidung und Umsetzung
Die entscheidenden Faktoren
Würdigung der Entscheidung

Am Ende des Buches werden dann als eine Art Meta-Analyse folgende Faktoren der Entscheidungsfindung extrahiert und gesondert hinterfragt – die Kernaussagen dazu sollen hier kurz referiert werden:

Der Faktor Zeit: Eine zentrale Komponente der Entscheidungsfindung, je mehr Zeit verfügbar ist, desto rationaler und systematischer kann der Prozess erfolgen. Keine der hier besprochenen schwerwiegenden Entscheidungen kann als so kurzfristig gelten, dass ein allein intuitiv gefasster Entschluss angemessen gewesen wäre;

Die Zielorientierung: Eine erfolgreiche und angemessene Entscheidung kann allein unter der Voraussetzung erfolgen, dass Auftrag und Ziel klar definiert sind;

Die Wechselwirkung von Intuition und Rationalität: Nachhaltige – und letztlich erfolgreiche - Entscheidungen enthalten stets eine Wechselwirkung zwischen intuitiven und rationalen Elementen. Erfahrung ist zwar eine wichtige Grundvoraussetzung, aber sie allein schützt nicht vor weitreichenden Fehlentscheidungen. Ein besonders tragischer Fall hierfür ist Titanic-Kapitän Smith, dem bei seinen 40 Jahren zur See noch keine schwerwiegende Komplikation unterlaufen war, dann aber bei seiner ersten Fahrt mit dem Schnelldampfer Titanic auf dem Nordatlantik mit einem Eisberg zusammenstieß und mit mehreren Tausend Menschen versank. Er ging dabei durch seine übergroße Unbesonnenheit in die Geschichte ein, weil er dem Schiff auf Rekordgeschwindigkeit befohlen und gleichzeitig fundamentale Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend beachtet hatte.

Die Charaktere, Werte und Entscheidungsfähigkeit: Der menschliche Charakter sowie die individuelle Werte sind zentrale Persönlichkeitseigenschaften, die ausschlaggebende Wirkung auf die Entscheidungsfähigkeit haben. Voraussetzung dafür ist die Freiheit des Geistes, welche nicht eingeschränkt sein darf durch andere dominierende Motive. Dies zeigt sich am Beispiel von Grouchys, der als einer von Napoleons Generälen bei Waterloo, um nicht zu enttäuschen, sich wort-wörtlich an seine Befehle hielt und dadurch viel zu spät in die bereits begonnene Schlacht eingriff;

Zum Entscheidungsprozess: Die Kultur des Entscheidungsprozesses wird maßgeblich durch den Entscheidungsträger – und sein Umfeld – bestimmt: So können Vorgesetzte, Berater und ggf. auch einfache Mitarbeiter einen zentralen Einfluss auf den Entscheider ausüben, plastisch dargestellt am Beispiel von Präsident Kennedy, der sich während der Kuba-Krise mit seinem Experten-Stab in Klausur begeben hatte;

Das Trainieren der Entscheidungsfindung: Wer die Entscheidungsfindung trainiert, hat bessere Aussichten, in schwierigen Situationen qualitativ besser zu handeln: Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens gilt auch hier: Übung macht den Meister. Die großen, 'richtigen' Entscheider der Geschichte hatten zuvor auch schon viele zutreffende kleine Entscheidungen getroffen, wohingegen die großen 'Verlierer' eher durch eine einzelne, zentrale Fehleinschätzung auf sich aufmerksam gemacht haben;

Die Verantwortung für die getroffene Entscheidung: Wer eine Entscheidung trifft, ist auch verantwortlich für deren Folgen: Dieser generellen Aussage kann kaum widersprochen werden. Im Einzelfall wird es dann aber schwieriger, im Text illustriert am Beispiel, ob die Nicht-Intervention von Karreman als Befehlshaber der UNO-Schutztruppen als Mitverantwortlichkeit für das Massaker von Srebrenica angesehen werden kann.

Mit einigen Schlussbemerkungen schließt der Autor dann seine Darstellung ab und der Rezensent ist seinerseits zur Entscheidung gezwungen, wie er dieses Buch bewerten soll: Gut gefallen hat ihm der etwas alternative, historische Ansatz, der sich wohltuend von den sonst üblichen theoretischen Darstellungen abhebt. Lesern, die in der Freizeit gerne im Radio 'Zeitzeichen' oder 'Stichtag' hören oder Guido Knopps 'History' verfolgen, wird das Buch besonders gefallen. Darüber hinaus zeichnet es sich aus durch eine schon fast militärisch geprägt Systematik und Struktur sowie durch eine klare, an Fakten orientierte Darstellungsweise. Die Auswahl der herausgegriffenen, besonders schillernden Entscheidungsbeispiele wird ausführlich begründet, die Thesen am Ende werden sorgfältig und konsequent abgeleitet und auch die Leserschaft wird direkt angesprochen: So ist der Leser nach der präzisen Darstellung der einzelnen Situationen jedes Mal zunächst selbst aufgefordert, eine eigene Entscheidung zwischen den verschiedenen Alternativen zu treffen, bevor er oder sie dann den tatsächlichen Gang der Geschichte erzählt bekommt.

Der Ausgang der meisten historischen Gegebenheiten kann als hinreichend bekannt gelten – denken wir nur an Napoleon bei Waterloo – gleichwohl lassen sich einzelne Kapitel des Buches auch als Input für ein Seminar verwendet werden, um die Alternativen-Prüfung und den Weg zur Entscheidungsfindung zu vertiefen. Somit übersteigt das Buch unter diesem Gesichtpunkt eine rein literarische Anwendung und kann auch als praktisches und nützliches Handwerkszeug dienen.

Möglicherweise liegt es in der Natur der Sache, gleichwohl irgendwie befremdlich fand der Rezensent, dass alle aufgeführten Entscheidungen von Männern getroffen wurden und dies durchweg in einem ausgesprochen männlichen, meist sogar kriegerischen Kontext als Feldheer, Expeditions- oder Heerführer, nur in wenigen Fällen als Firmenlenker. In gewisser Weise mag damit auch Persönlichkeit des Buchautors als Anwalt und Offizier der Schweizerischen Armee zum Ausdruck kommen. Und auch wenn es letztlich sicher nicht an mangelnder Routine liegt, möchte der Rezensent das finale Abschlussurteil über dieses Buch gern dem geneigten Leser überlassen, selbst wenn dies als ein Mangel an Entscheidungsfähigkeit wahrgenommen werden könnte…
Fazit: www.mwonline.de bewertet diesen Titel als empfehlenswert (zwei von drei möglichen Sternen)
Dr. Klaus Stulle (Leser-Rezension)

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