Rezension:
Was glauben Sie, wie lange mag es dauern, Unternehmensberater zu werden? Fünf Minuten, würde Ihnen wahrscheinlich Elaine Biech mit augenzwinkernder Selbstironie entgegnen, denn das ist ungefähr die Zeit, bis die Farbe ihrer frisch gedruckten Visitenkarten trocken ist. Die amerikanische Unternehmensberaterin und Autorin Elaine Biech offenbart mit dieser Auffassung nicht etwa ihr eigenes Beraterverständnis. Ganz im Gegenteil: Sie räumt in ihrem Buch 'Unternehmensberater werden und bleiben' kräftig auf mit gängigen Vorurteilen gegenüber dem Beraterjob – wie etwa dem Glauben, es genüge der schöne Schein eines selbstverpassten Hochglanzimages, und der Rubel werde dann schon rollen.
Am Ende der Lektüre wird dem geneigten Leser, der mit dem Einstieg in die Beraterbranche spekuliert, nochmals die Gewissensfrage gestellt: Wollen Sie nach allem, was Sie jetzt gelesen haben, immer noch Berater werden? An dieser Stelle im Buch angekommen, ist der potenzielle Beraterneuling allerdings nicht mehr ganz so grün hinter den Ohren. Vielmehr sollte er in der Lage sein, seine Entscheidung auf der Basis einer fundierten Erörterung zu treffen. Elaine Biech legt dazu den Blick frei für die oft wenig glamouröse Realität des Tagesgeschäfts: Büroorganisation, Terminplanung, Kundenkontakte knüpfen, Rechnungen schreiben, Steuervorauszahlung, Finanzierungsplan.
Diese To-do-Liste mit wenig erbaulichen, aber für den unternehmerischen Erfolg der Beratungstätigkeit absolut notwendigen Aufgaben ließe sich beliebig erweitern. Mit Hilfe von Checklisten, die auch über eine mitgelieferte CD-ROM abrufbar sind, ermöglicht es das Buch allerdings, all diese Herausforderungen Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen und damit den Freiraum für die eigentliche Kernkompetenz des Beratens zu erringen. Auch wenn das Buch als Einstiegshilfe für werdende Berater konzipiert ist – selbst alte Hasen des Geschäfts können von der Praxistauglichkeit der Empfehlungen profitieren. Denn Unternehmensberater zu bleiben mit dauerhaft stabiler Marktpräsenz und solider Finanzierungsgrundlage, so wird durch die Lektüre deutlich, ist eine ebenso große Herausforderung wie der Einstieg in diese Tätigkeit. Beratern, die sich eher in dieser beruflichen Situation befinden, wird das Buch ein ebenso anregender wie nützlicher Praxisratgeber sein.
Fazit: Als Berater für Berater leistet dieses Buch gute Dienste zur Verbesserung der eigenen unternehmerischen Kompetenz.
Michael Merz (Journalisten-Rezension)