Rezension:
Das Thema 'Gruppenarbeit' kann auch im Fahrwasser ungezählter Veröffentlichungen weiterhin als aktuell und relevant gelten – auch wenn wirklich revolutionäre Erkenntnisse zunehmend die Ausnahme darstellen werden. Wer sich aber dem hier besprochenen Werk ohne diesen hohen Anspruch nähert, wird dort doch einiges Wissens- bzw. Lesenswertes finden:
Zunächst eine Einführung in die zentralen Begriffe, einschließlich Definitionsvorschlägen.
Dann eine eindrucksvolle Aufstellung der Vorteile von Teamarbeit: Im Zeitalter der intensivierten Kundenorientierung können Teams flexibler auf Kundenbedürfnisse reagieren, z.B. durch Urlaubsvertretung; komplexe Produkte, z.B. Software, werden gemeinsam entwickelt; Wissen wird als Synergie weitergegeben; Teamstrukturen können besser auf die Herausforderungen der Globalisierung eingehen, etc.
Ferner allerdings auch eine mindestens ebenso eindrucksvolle Darstellung der Nachteile/Einschränkungen bei Teamarbeit wie: Motivationsprobleme, weil regelmäßig die Summe der Leistungen durch Teams unterhalb den addierten Einzelleistungen liegt; schlechte Problemlösungen aufgrund unzureichenden Informationsaustausches; Gruppendenken, das den Horizont verengt oder Probleme durch zwischenmenschliche Zusammenarbeit.
Schließlich verschiedene Teammodelle wie das Phasenmodell von Tuckman (1. Forming, 2. Storming, 3. Norming, 4. Performing, 5. Adjourning), den neun Teamrollen nach Belbin oder dem Input-Prozess-Output Modell des Teamerfolges nach West sowie auch noch weitere Konzepte.
Ein zentraler Bestandteil des Buches ist das sogenannte 'Teamklimainventar' (TKI) mit seinen vier Dimensionen: 'Vision', 'partizipative Sicherheit', 'Aufgabenorientierung' und 'Unterstützung für Innovationen'. Ein weiterer Fragebogen erfasst die sogenannte 'Reflexivität', in etwa übersetzt mit der sozialen Anpassungsbereitschaft der Teammitglieder, dazu noch die Bögen zu 'Effektivität der Teamleitung' sowie zur 'Unterstützung der Teamarbeit'. Alle genannten Fragebögen zeichnen sich durch nur wenige Items (max. 16) aus, so dass sie auch leichterhand als gemeinsamer Bogen verwendet werden könnten. Zwei davon sind direkt als Kopiervorlage separat beigelegt, doch fühlt sich der Leser – zumindest der Rezensent – ein Stück weit allein gelassen mit der überaus relevanten Frage, welches Instrument nun wie und in welchem Zusammenhang optimalerweise in der Praxis eingesetzt werden könnte.
Der vierte Abschnitt steht unter der Überschrift 'Vorgehen bei der Teamentwicklung'. Auch hier sind wiederum diverse Inhalte und Anregungen gegeben, die für konkrete Maßnahmen in Frage kommen können, wie etwa fünf Grundregeln bei der Einführung von Teamarbeit:
1. Individuen brauchen intrinsisch motivierende Aufgaben.
2. Teams brauchen Teamaufgaben.
3. Individuen müssen einen wichtigen Beitrag zur Gruppe leisten.
4. Die Beiträge der einzelnen Teammitglieder müssen identifizierbar und evaluierbar sein.
5. Auf Teamebene muss es klare Teamziele, unmittelbares Feedback und kontingente Belohnung geben.
Die Autoren beschreiben darüber hinaus noch eigene Tagesordnungsvorschläge für Teamentwicklungstrainings und individuelle Übungen, allerdings recht klassischer Natur wie:
* Ziele festlegen,
* inhaltliche Einführung durch den Referenten,
* Teamprinzipien definieren,
* Brainstorming,
* Diskussion und
* gemeinsame Vereinbarung von Handlungszielen.
Auch die Vorschläge für effektive Regeln bei Teammeetings oder zur Stakeholderanalyse sind sinnvoll. Ein abschließendes Praxisbeispiel zur Illustrierung eines konkreten Teamprojekts rundet am Ende des Buches die Darstellung des Themas ab.
Wie nun lässt sich das Werk abschließend bewerten? Irgendwo sicherlich innerhalb des Kontinuums von 'nicht ganz gut' bis 'nicht ganz schlecht', letztlich abhängig vom angestrebten Verwendungszweck und persönlichen Präferenzen. Die zahlreichen wissenschaftlichen Querverweise mögen einigen willkommen sein, die vielfach deutlich akademisch geprägte Sprache und Darstellungsweise möglicherweise weniger. Das Buch enthält diverse Praxisbezüge, die dann aber doch meist eher generisch wirken als nun wirklich 'aus dem Leben gegriffen'. Das spiegelt sich auch im Hintergrund der beiden Autoren wider, die beide (u.a.) in England an der Aston Business School in Birmingham tätig sind – erstaunlich, nebenbei bemerkt, dass es sich anscheinend um einen deutschen Text und nicht etwa eine Übersetzung aus dem Englischen zu handeln scheint.
Enthusiasten zum Thema 'Team', insbesondere mit einem gewissen 'Vollständigkeitsanspruch der Literaturkenntnis' - werden von dem Buch sicher nicht enttäuscht werden, wenngleich sie auch nicht umwerfend viel Neues vorfinden. Praktiker, z.B. Team-Trainer, mögen auch auf ihre Kosten von 20 Euro für 100 Seiten kommen, aber auch an anderen Stellen noch mehr konkrete 'Nahrung'/'Munition' für ihre Veranstaltungen/Aktivitäten finden. Der Rezensent zumindest bedauert es nicht, sich mit dem Buch 'Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung' beschäftigt zu haben.
Fazit: www.mwonline.de bewertet diesen Titel als empfehlenswert (zwei von drei möglichen Sternen)
Dr. Klaus Stulle (Leser-Rezension)