Rezension:
Haben Sie sich auch schon in Konferenzen gelangweilt und eigentlich nur die Kaffeepausen als sinnvoll erlebt? Dann geht es Ihnen wie Harrison Owen, dem Erfinder der Open Space Technology. Owen nahm seine enttäuschenden Erfahrungen sowohl als Teilnehmer als auch als Organisator von Großveranstaltungen zum Anstoß, um nach neuen, effektiveren Wegen zu suchen. Inspiriert von seinen Studien zu westafrikanischen Ritualen ging er der Frage nach, wie es gelingen kann, mehrtägige Veranstaltungen mit z.B. 500 Personen ohne Organisationskomitee und Ordnungskräfte reibungslos, harmonisch und mit Spaß durchzuführen. In seinem Buch 'Open Space Technology' beschreibt Owen zum einen die Funktionsweise einer Open Space-Konferenz, ihre Prinzipien und Methoden. Zum anderen gibt er Open Space-Moderatoren einen praxisorientierten Leitfaden an die Hand. So stellt er zunächst die vier zentralen Steuerungselemente als notwendige Bestandteile des Open Space vor: die Kreisform für offene Kommunikation, den natürlichen Rhythmus von Spannung und Entspannung, ein öffentliches Anschlagbrett zur Themensammlung sowie den Marktplatz als Koordinationsinstrument.
Zu Open Space-Veranstaltungen kommen alle, die wollen – die freiwillige Teilnahme ist oberstes Prinzip. Die Teilnehmer sitzen in ein oder zwei Kreisen. Es gibt keine Tagesordnung, keinen Plan, keine Referenten, nur einen Begleiter. Dies stellt ein Wagnis und eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Die erste Stunde ist laut Owen entscheidend. Der Open Space-Begleiter weckt und kanalisiert die Energie der Zuhörer, fokussiert sie auf das Thema der Konferenz, das für alle Beteiligten eine starke Bedeutung haben sollte.
Owen setzt auf 'Leidenschaft und Verantwortung' der Teilnehmer: Jeder, der will, kann zu einem Themenaspekt einen Workshop einberufen, die Zeit und den Ort dafür am Anschlagbrett bekannt geben. Leitprinzip während der Konferenz ist dabei das 'Gesetz der zwei Füße': Wer zu einem Workshop nichts beitragen kann – egal aus welchen Gründen – geht und macht etwas anderes. Der Verzicht auf Kontrolle ist maßgeblich für die Methode: Der Begleiter schafft und sichert Zeit und Raum und lässt den Dingen ansonsten seinen Lauf. Dennoch trägt er maßgeblich zum Erfolg der Konferenz bei. So weist Owen darauf hin, auf was bei der Vorbereitung zu achten ist: Einladung, Räume, Visualisierung, Ergebnissicherung, Abschluss und Fortführung. Welche nachhaltige Wirkung das Konferenzmodell hinterlässt und wie die beeindruckende Erfahrung einer Open Space-Konferenz anschließend in die traditionelle Organisation integriert werden kann, wird dagegen in dem Buch leider zu wenig diskutiert.
Fazit: Die längst fällige Übersetzung vom Erfinder der Open Space-Methode gibt Anwendern wie Nutzern Inspiration und konkrete Tipps.
Hubert R. Kuhn (Journalisten-Rezension)