Rezension:
Miteinander reden – eigentlich etwas Alltägliches und Selbstverständliches. Und doch scheitern viele Gespräche: Die Gesprächspartner reden aneinander vorbei, vieles bleibt unausgesprochen, ein echter Dialog findet nicht statt. Den Autoren des Buches 'Miteinander denken: Das Geheimnis des Dialogs' geht es genau um diesen echten Dialog. Sie verstehen ihn als Einladung zum Experimentieren mit verschiedenen Sichtweisen und zum Erkennen von Zusammenhängen, die bisher verborgen geblieben sind.
Mit ihrem Buch wollen sie dem Leser helfen, zu einer besseren Kommunikationskultur und befriedigenderen Gesprächen zu gelangen. Hinter einem Dialog steckt ihrer Ansicht nach immer der Wunsch, gehört zu werden und offen und ehrlich miteinander zu reden. Statt aber wirklich miteinander zu sprechen, verteidigten die meisten Menschen nur ihre eigenen Ansichten und versuchten, Macht über den Gesprächspartner zu gewinnen. Dies löse dann Abwehr und negative Gefühle beim Gegenüber aus. Im Idealfall gehe es jedoch darum, eigene und fremde Gedankenfelder in einer offenen, nicht manipulativen Form zu erkunden und die eigene Wirklichkeit zu hinterfragen. Diese Fähigkeit zum Dialog ist nach Ansicht der Autoren erlernbar wie Autofahren und sollte daher nicht dem Zufall überlassen werden.
Die wichtigsten Lernziele: andere Personen respektieren und Zuhören können. Letzteres fällt umso schwerer, je größer die Gruppe ist. Das Gespräch mehrerer Personen kann, so die Autoren, jedoch durch den Einsatz von Hilfsmitteln vereinfacht werden. So zum Beispiel durch einen sogenannten Redestein, der nur demjenigen, der ihn in der Hand hält, gestattet zu sprechen. Dies fördere einerseits das Zuhören und könne gleichzeitig Redebegrenzung für notorische Vielredner sein. I
n ihrem Buch lassen die Autoren Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft zu Wort kommen, die ihre persönliche Sicht des Dialogs schildern. Ein kirgisischer Dichter erklärt beispielsweise, warum das Wort stirbt, wenn es nicht mit anderen geteilt wird. Ein amerikanischer Organisationsentwickler indes erklärt die Kraft des dialogischen Feldes, das den Gesprächspartnern 'andere Geschichten der Wirklichkeit' zeigt und damit Lern- und Veränderungsprozesse in Gang bringt. Durch diese 'Dialoge über den Dialog' wird dem Leser die Bedeutung des Gesprächs im privaten, beruflichen und öffentlichen Leben nahe gebracht.
Fazit: Ein gut aufbereitetes Buch, das den Leser in die Lage versetzt, künftig bessere Gespräche zu führen.
Solveig Schneider (Journalisten-Rezension)