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Rubrik: Methoden/Instrumente, Medienart: Buch
Schlieper-Damrich, Ralph/ Schulz, Philipp/ Netzwerk CoachPro

Ermöglichungscoaching

Cover

Vom Klienten-Dompteur zum Entwicklungs-Arrangeur

1. Auflage 2006, 288 S., kt.

Weiterbildungs-Klassiker zum stark reduzierten Preis: Ermöglichungscoaching ist die Transformation der Ermöglichungsdidaktik ins Coaching. Ermöglichungsdidaktik wiederum ist eine relativ neue Prägung innerhalb der Pädagogik. Ihr zentrales Anliegen ist es, Gelegenheiten für Lernprozesse in Selbstorganisation zu schaffen – der 'Lehrer' wird zum Ermöglicher, zum Gestalter adäquater Rahmenbedingungen. Und 'Lernen' wird als ein aktiver Aneignungsprozess verstanden, nicht als Aufnahme belehrender Wissensvermittlung. Der Lernprozess soll selbst gesteuert und nicht fremdbestimmt ablaufen.


Preis: 29,90 EUR
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Inhaltsverzeichnis "Ermöglichungscoaching"

1. Kaum etwas ist unmöglich …
2. Erster Zwischenruf an Praktiker des Ermöglichungscoachings von einem Ermöglichungspädagogen
3. Worauf wir aufbauen

A. Das Konzept der Ermöglichungsdidaktik als Leitbild für eine professionelle Ausrichtung von Coaching-Prozessen
- 1. Anstoß: Die Lern- und Lehrkultur in der erwachsenenpädagogischen Weiterbildung hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt
- 2. Anstoß: Das Konzept des Konstruktivismus bildet das Fundament einer ermöglichungsdidaktischen Lern- und Lehrkultur
- 3. Anstoß: Durch ermöglichungsdidaktische Prinzipien wird es möglich, nachhaltiger und professioneller zu lernen, zu lehren und zu coachen

B. Mit welcher Berechtigung können ermöglichungsdidaktische Prinzipien überhaupt in den Coaching-Prozess übertragen werden?
- 4. Anstoß: Inwiefern ist im Coaching schon eine ermöglichungsdidaktische Perspektive enthalten?
- 5. Anstoß: Coaching und erwachsenenpädagogische Weiterbildung weisen in Ihren Entwicklungen markante Ähnlichkeiten auf
- 6. Anstoß: Wie umfassend können die dargestellten Prinzipien der Ermöglichungsdidaktik auf ein Coaching-Konzept übertragen werden?
- 7. Anstoß: Die neue Perspektive „Ermöglichungscoaching“ bedeutet eine entschiedene Hinwendung zu den Anliegen und Bedürfnissen des Klienten.
- 8. Anstoß: Die Ermöglichungsdidaktik bietet für das Coaching eine Fundierung und Orientierung, ohne bereits eine in sich abgeschlossene und endgültige Theorie zu sein

C. Literatur in den theoretischen Impulsen

4. Zweiter Zwischenruf an Praktiker des Ermöglichungscoachings von einem Ermöglichungspädagogen

5. Vorstoß in die Praxis
- 5.1 „Kommt es, wie es kommen soll?“ von Andreas Kluzik
- 5.2 „Vom exotischen Experten zum integrierten Profi“ von Ralph Schlieper-Damrich
- 5.3 „Über die Wiederentdeckung des Selbstwerts“ von Bertram Kasper
- 5.4: „Neue Beweglichkeit“ von Birgit Hassmann
- 5.5: „Münchshausens Zopf suchen, finden und ergreifen“ von Dr. Thorsten Gorbauch
- 5.6: „Erkennen=Leben – Ein Coaching von der Krise zur Selbstwerdung“ von Stefan Sedlacek
- 5.7: „Luft zum Atmen“ von Thomas Knoch
- 5.8: „Un-ermöglichend?– eine Lernerfahrung an der Grenze des Coachings“ von Michael Brandmeier
- 5.9: Matrix 2: Die Ermöglichungscoaching-Arbeitsmatrix

6. … und was arrangieren Sie jetzt? Ein Resümee: „Vom Klienten-Dompteur zum Entwicklungs-Arrangeur“

Rezension:

Endlich mal wieder ein Coachingbuch, welches sich um die theoretischen Grundlagen dieser Beratungsrichtung kümmert und damit einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung des Coachings leistet. Und für alle Leser mit leichter Theorie-Phobie sei gleich erwähnt, dass die Hälfte des Buches aus Praxisschilderungen besteht.

Doch der Reihe nach: Auf ca. 270 Seiten stellen die Autoren die Prinzipien der Ermöglichungsdidaktik und deren Anwendung in der Praxis dar. Die Ermöglichungsdidaktik kommt aus der Erwachsenenpädagogik und basiert auf den Ideen des Konstruktivismus. Die Ideen dieses Theorierahmens werden Schritt für Schritt auf die Beratungssituation des Coachings übertragen. Damit geht dieser Ansatz weit über das eklektische Vorgehen der meisten konstruktivistisch-systemisch arbeitenden Coaches hinaus. Es kann durchaus sein, dass so mancher Coach während der Lektüre denkt, dass er doch eigentlich genau das macht, was hier auf Grundlage des 'Ermöglichungscoachings' angeregt wird. Der Unterschied ist, dass mit einer Theorie im Hintergrund eine Weiterentwicklung und Evaluierung nicht nur der eigenen Arbeit, sondern auch des gesamten Beratungsansatzes systematischer vorangetrieben werden kann.

Kurz zu den Grundfeilern der Ermöglichungspädagogik bzw. einer Pädagogik/eines Coachings, welches auf den Ideen des Konstruktivismus beruht: Dass es im Konstruktivismus so etwas wie die absolute Wahrheit nicht gibt, muss es um das 'aktive Rekonstruieren und Reflektieren von bereits erworbenem Wissens/... und Integrieren von zusätzlichen ... Wissen' gehen. Die Rekonstruktion und Reflexion geschieht in Interaktion mit sich selbst, anderen Menschen und der Umwelt. Daher gilt es in einer entsprechenden Pädagogik nicht um die Vermittlung von Wissen, sondern um das Schaffen von Herausforderungen und das Unterstützen von Lern- und Reflexionsprozessen des Coachees. Das gibt den Coach keine dem Coachee übergeordnete Position, sondern der Coach wird zu einer Quelle unter vielen innerhalb eines Entwicklungsprozesses. Ohne die Aktivität des Coachees könnte demnach auch der Coach, in seiner Rolle als Unterstützer, kaum hilfreich sein. Er ist eben nicht Wissensvermittler und Trainer, sondern Unterstützer und eine Quelle von Anregungen.

Die Autoren leiten von (den hier sehr verkürzt dargestellten Grundpfeilern) 16 Prinzipien ab, die im Buch zuerst vorgestellt und erläutert werden, um dann auf das Beratungssetting des Coachings übertragen zu werden. Beispiele für diese Prinzipien sind
• Das selbstgesteuerte Lernen (Jeder Lernende sollte selbstbestimmt und selbstorganisiert lernen)
• Handlungsorientierung in Lehr-/Lernprozessen (Wissen sollte möglichst in handelnder Weise erschlossen werden)
• Methodenoffenheit im Lehr-/Lernprozess (Es gibt keine richtigen oder falschen Methoden – Methoden sollten sich an Prinzipien, wie z.B. dem selbstgesteuertem Lernen orientieren)
• Subjektive Konstruktion von Wirklichkeit
• Subsidiäre Führung (Eingreifen des Coaches in den Lernprozess des Coachees erst, wenn dieser an eine Grenze gestoßen ist, die er nicht selbst überwinden kann)

Diese und andere Prinzipien werden in Bezug auf die Praxis und bekannte Methoden im Coaching diskutiert und übertragen. Wie dies im realen Einzelfall aussehen kann, erfährt der Leser durch die acht geschilderten Praxisbeispiele von acht verschiedenen Coaches. Jeder Coach stellt einen Fall aus seiner Beratungspraxis dar, benennt Hypothesen, Methoden und Verläufe dieser Fälle und lässt anschießend den jeweiligen Coachee zu Wort kommen. Dadurch kann man einerseits Kollegen über die Schulter schauen und andererseits einen ersten Eindruck davon bekommen wo die Ideen des Ermöglichungscoachings hilfreich sind und wo sie ggf. an ihre Grenzen oder Grenzen der Coaches stoßen. Dass abschließend die Coachees sich schriftlich zu ihren Coachings geäußert haben, macht das Bild der Praxisdarstellungen noch einmal runder und ist, ganz nebenbei, durchaus im Sinne des vorgestellten Ansatzes.

Insgesamt kann dieses Buch also all jenen empfohlen werden, die sich beruflich mit Coaching befassen und an der eigenen Weiterentwicklung bzw. auch der Weiterentwicklung der Profession interessiert sind.
Fazit: www.mwonline.de bewertet diesen Titel als besonders empfehlenswert (drei von drei möglichen Sternen)
Jörg Middendorf www.personal-balance.de (Leser-Rezension)

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