Fallbeispiel: Wie ein Einzelcoaching im Teamcoaching abläuft
Die Ausgangssituation:
Frau S. ist Teamleiterin eines Teams, das aus mehreren Berufsgruppen besteht. Jeweils zwei Teammitglieder arbeiten als Tandem. Das ganze Team ist verantwortlich für die schnelle Genehmigung von Verfahren und die entsprechende Beratung von Kunden. Rechtliche, technische und auch verfahrenstechnische Vorschriften müssen im Genehmigungsverfahren gewährleistet sein, für dessen Einhaltung und Ablauf das Team verantwortlich ist.
Im Team gab es gleich mehrere Konfliktlinien. Die drei Berufsgruppen sollten, um zu guten Ergebnissen zu kommen, gleichberechtigt zusammenarbeiten. In Wirklichkeit war das Denken immer noch von alten Hierarchien geprägt. Die Gruppe der Techniker fühlte wiederum wertschätzten die Arbeit der Assistentinnen zu gering. Hinzu kam, dass zwei Teammitglieder aus privaten Gründen nur noch per E-Mail kommunizierten, obwohl sie aufgrund der Tandemstruktur
von Technikern und Fachleuten gemeinsam Termine beim Kunden wahrnehmen sollten.
Die Teamleiterin sah dem Ganzen eine Zeit lang interessiert, manches Mal sogar amüsiert zu und versuchte immer wieder zu vermitteln. Ihr Denken 'Das sind doch alles erwachsene Menschen, die müssen mit diesen Problemen doch selbst zurechtkommen!' ließ sie mehr als Zuschauerin agieren. Das Team sah hilflos zu, wie sich die Gräben zwischen den Gruppen und den zwei Privatpersonen immer weiter vertieften.
Es war höchste Zeit zu handeln, denn die Kundenzufriedenheit sank, der Zeitverzug bei der Abwicklung der Aufträge wurde größer und die Stimmung im Team war schlecht.
Interessanterweise erhielt dieses Team nur deshalb ein Teamcoaching, weil nach einer Umstrukturierung alle Teams in diesem Bereich Schwierigkeiten hatten und durch einen Coach unterstützt werden sollten. Für die Teamleiterin war dies ein glücklicher Zufall, da sie Hilfe in Form eines Coachings von sich aus nie angefordert hätte. Zu groß war ihre Angst, nach außen schwach oder unfähig zu wirken: 'Eine Führungskraft muss solche Dinge selbst regeln können, sonst blamiert sie sich.' Eine Ansicht, die immer noch viele Teams oder Teamleitungen davon abhält, rechtzeitig um Unterstützung zu bitten.
Im Vorgespräch mit der Teamleitung und dem Auftraggeber wurden die Umorganisation und die Statusproblematik besprochen. Ziel des Teamcoachings war es, wieder ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen, die hierarchischen Unterschiede zu nivellieren und die neu zusammengewürfelten Teams zu einer effektiveren Arbeitsweise zu führen.
In einem Einzelgespräch mit der Teamleitung wurde schließlich noch der persönliche Konflikt der beiden Mitarbeiter angesprochen. Der gesamte Prozess war über zwei Jahre angelegt und bestand aus mehreren Teamtagen sowie halbtägigen Reflexionstagen. Natürlich verlief auch der gesamte Teamprozess spannend, in unserem Fallbeispiel konzentrieren wir uns jedoch bewusst auf die Schilderung des Einzelcoachings.
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