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WebQuests

WebQuests

'Abenteuerliche Spurensuche im Internet' lautet die Kurzdefinition der Methode Webquest. Etwas profaner formuliert, verbirgt sich dahinter ein PC-gestütztes Lehr- und Lernarrangement, das auf das Medium Internet sowie auf das Prinzip des selbstorganisierten Lernens setzt. Dabei erhält eine Gruppe von Lernenden eine Problem- oder Aufgabenstellung, die sie anhand von Ressourcen aus dem World Wide Web lösen muss.


WebQuests

Im Zentrum steht indes nicht die schlichte Suche nach Informationen à la Google, sondern deren gemeinsame Verarbeitung und Kontextualisierung im Hinblick auf das zu bearbeitende Problem.

Erfolgsrezept einer jeden Webquest ist eine feste Struktur, die verhindert, dass die Recherche zu einer plan- und ziellosen Odyssee durch das Internet wird. In der Regel besteht diese Struktur aus sechs Schritten:

  1. Einführung
    Die Einführung stellt das Thema bzw. die Ausgangssituation des Webquests dar. Diese sollte so formuliert sein, dass die Lernenden motiviert und herausfordert an das Thema herangeführt werden – z.B. über einen aktuellen Bezug oder eine kleine Geschichte.

  2. Aufgabenstellung
    Nach der Einführung werden die Aufgaben vorgestellt. Da Webquests keiner inhaltlichen Beschränkung unterliegen, sind der Aufgabenstellung praktisch keine Grenzen gesetzt. Sie kann z.B. darin bestehen, einen Businessplan für ein fiktives Unternehmen zu erstellen, eine Strategie zur Integration eines neuen Mitarbeiters zu entwickeln oder einen interkulturellen Reiseführer zu verfassen. Beachtet werden sollte lediglich, dass die Aufgaben zielgruppengerecht sind und an die Kenntnisse, Lernziele und Arbeitswelt der Lernenden anknüpfen.

  3. Ressourcen
    Um die gestellten Aufgaben erfolgreich bearbeiten zu können, bekommen die Lernenden so genannte Ressourcen an die Hand. Dies können Links auf interessante Webseiten oder Bild- und Ton-Dokumente im Internet sein, aber auch Arbeitsblätter, Literaturlisten oder Zeitschriften. Darüber hinaus steht es den Lernenden offen, eigene Quellen ausfindig zu machen.

  4. Prozessbeschreibung
    Die Ressourcenliste ist nicht die einzige Hilfestellung, die die Lernenden bekommen. Eine Prozessbeschreibung versorgt sie mit Hinweisen, wie sie das Lernen via Webquest erfolgreich und ohne Schwierigkeiten gestalten können. Bei diesen Hinweisen kann es sich um Tipps für die zeitliche Organisation oder die Bildung von Arbeitsgruppen handeln. Möglich sind aber auch Hinweise zur Dokumentation und Strukturierung der gefundenen Informationen sowie Anleitungen zur Gestaltung von Entscheidungsprozessen. Solchermaßen gerüstet, können sich die Lernenden dann in ihr Internet-Abenteuer stürzen, Informationen ausfindig machen, selektieren und strukturieren. Begleitet werden sie dabei vom Trainer, der sich in diesem Fall als Lernberater versteht und dort eingreift, wo die Lernenden nicht mehr weiter wissen, sich verzetteln oder sich über den gemeinsamen Lösungsweg nicht einigen können.

  5. Evaluation
    Darüber hinaus fällt dem Trainer die Aufgabe zu, nach Abschluss der Recherchen die Arbeit der Lerngruppen zu evaluieren und ihnen Feedback zu geben. Dies betrifft zum einen die erarbeiteten Inhalte, zum anderen die beobachteten Lern-, Arbeits-, Teambildungs- und Kommunikationsprozesse. Auch die Lernenden selbst reflektieren, wie sie diesen Prozess wahrgenommen haben: Was ist ihrer Ansicht nach optimal gelaufen? Wo gab es Schwierigkeiten?

  6. Präsentation
    Im Anschluss an die Evaluation können die Webquestler noch einmal ihre Kreativität spielen lassen: Es gilt, die Früchte ihrer Arbeit in Form einer Präsentation ansprechend und informativ aufzubereiten. Auch hier haben die Lernenden weitgehenden Gestaltungsspielraum – von der eigenen Webseite über den mündlichen Vortrag zuzüglich PowerPoint-Präsentation bis hin zu Zeitungen oder Hörspielen reichen die Möglichkeiten.

Ähnlich variabel – und abhängig von den angestrebten Lernzielen – ist die Dauer eines Webquests: So genannte Short-Term-Webquests von zwei bis drei Stunden sind geeignet, um Informationen zu recherchieren und sich in ein überschaubares Sachthema einzuarbeiten. So können sie beispielsweise im Vorfeld eines klassischen Präsenztrainings eingesetzt werden, damit die Teilnehmer sich einen ähnlichen Wissensstand aneignen können. Longer-Term-Webquests, bei denen die Lernenden mehrere Wochen beschäftigt sind, dienen zur Erarbeitung und Analyse komplexerer Fragestellungen und trainieren zudem die Soft Skills der Teilnehmer, da Aufgaben strukturiert und verteilt, Entscheidungen getroffen und Problemlösungen gemeinsam erarbeitet und präsentiert werden müssen.

Darüber hinaus können die Teilnehmer auch ihre Kompetenz in Sachen Online-Kommunikation verbessern. Denn Webquests müssen nicht als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Sie können auch innerhalb einer Blended-Learning-Maßnahme oder komplett online stattfinden. Nicht nur die Recherche, sondern auch der Gruppenprozess erfolgt in diesem Fall via Internet.

Gänzlich neu ist die Idee der Spurensuche im Netz übrigens nicht: Nachdem das World Wide Web 1993 für die Öffentlichkeit freigegeben worden war, machte sich der Amerikaner Bernie Dodge Gedanken darüber, wie dieses neue Medium sinnvoll in Schulen genutzt werden kann. Zwei Jahre später veröffentlichte der Professor für Educational Technologies an der Universität von San Diego seinen Aufsatz 'Some Thoughts About WebQuests'. In diesem postulierte er die Grundprinzipien des Modells und stellte auch die oben erwähnten sechs Komponenten der Webquest-Struktur vor.

Hat sich das Webquest-Konzept an den Schulen auch im deutschsprachigen Raum inzwischen weitgehend etabliert, so stellt dessen Einsatz in der beruflichen Weiterbildung immer noch eine Ausnahme dar.

Die Zurückhaltung ist schwer zu erklären, zumal Webquests praktisch alle Anforderungen an moderne Lernkonzepte erfüllen. Eine auf Eigenverantwortung und Selbstorganisation basierende Lernkultur scheint in vielen Unternehmen indes noch längst nicht selbstverständlich zu sein. Und nicht zuletzt für die Trainer bedeuten Webquests einen Abschied von lieb gewonnenen Arbeitsweisen.

Sabine Seufert, Geschäftsführerin des Swiss Center for Innovations in Learning (SCIL) an der Universität St. Gallen, formuliert es so: 'Es erscheint leichter, nach alter Tradition ein Seminar zu organisieren, statt die didaktische Kreativität aufzubringen, eine gute Problemstellung für ein Webquest zu entwickeln und sich auf die Suche nach kompatiblen Links zu machen.'


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