Mobile Learning
Als zentrale Vorteile des e-Learning gelten seit jeher die zeitliche und auch die räumliche Flexibilität des Lernenden. Letztere stößt jedoch häufig an technische Grenzen: Schließlich lässt sich ein PC nicht so ohne weiteres bequem transportieren - und das Online-Lernen funktioniert auch nur mit einer Anschlussbuchse vor Ort ans World Wide Web.
Die neuen Technologien eröffnen nunmehr die Möglichkeit, dass der Zugang zum Computernetz bzw. Server mit portablen Geräten wie Notebook, Handy, Personal Digital Assistant (PDA) oder Smartphone erfolgen kann – und zwar drahtlos. Die Datenübertragung zwischen Computersystem und Mobilgerät erfolgt dabei entweder mittels Synchronisation über eine Schnittstelle. In diesem Fall werden die Daten mit auf die Reise genommen. Oder das mobile Gerät erhält die Daten über Schnittstellen, die unterwegs vorzufinden sind. Hierfür sind dann so genannte Wireless Hot Spots notwendig, die an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen, Flughäfen, Hotels, Konferenzzentren und Messen flächendeckend installiert sein müssen. Diese schaffen die Möglichkeit, sich kabellos ins Internet einzuloggen. Darüber hinaus können Daten auch über Funk empfangen werden – sofern Funknetze vorhanden sind.
Gänzlich ausgereift und vor allem flächendeckend verfügbar ist die Technik somit noch nicht. So sind PDAs gegenwärtig noch auf kleine Informationseinheiten angewiesen. Bei zu großen Datenmengen – beispielsweise bei Video- und Audiodateien - stürzen die Geräte leicht ab. Darüber hinaus wird eine durchgehende drahtlose Infrastruktur frühestens in fünf Jahren vorhanden sein. Last but not least gibt es bei der Funktechnologie noch keine ausreichenden Bandbreiten, was zur Folge hat, dass die Nutzung der gewünschten Dienste wegen schlichter Überlastung oft nicht möglich ist.
Das allerdings hält Wissenschaftler und auch einschlägige IT-Unternehmen nicht davon ab, Nutzerakzeptanz und Einsatzmöglichkeiten schon einmal in Pilotprojekten auszuloten. So wird bei IBM daran gearbeitet, spontane Expertendiskussionen möglich zu machen: Per Smartphone und PDA sollen Mitarbeiter bei auftretenden Fragen kompetente Ansprechpartner im Unternehmen suchen und direkt kontaktieren können. Zu diesem Zweck ist vorgesehen, die Profile der Mitarbeiter, sprich ihre Skills und Kompetenzen, zentral im Computernetz zu speichern und über die mobilen Geräte mittels Suchbegriff abzurufen. Die Chancen von Mobile Learning liegen dann auch eher in der Verknüpfung von Arbeiten und Lernen sowie in der Möglichkeit zu spontanen Kommunikations- und Entscheidungsforen denn im klassischen Lernen.
Ein weiterer Mehrwert liegt darin, Informationen unmittelbar abrufen bzw. weiterleiten zu können. Von Relevanz ist dies insbesondere für Mitarbeiter, die häufig außerhalb ihres Unternehmens tätig sind und auf aktuelles Problemlösungswissen angewiesen sind. Stößt beispielsweise ein Monteur für Kopiergeräte während der Wartungsarbeit auf ein ihm unbekanntes Problem, kann er sich die Teilschritte zur Lösung auf seinem PDA in Bild und Ton anzeigen lassen. Insbesondere bei Updates von Produkten macht die Möglichkeit, aktuelle Infos jederzeit und an jedem Ort abrufen zu können, Sinn. Die Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter nicht mehr extra auf Produktschulungen entsenden. Auch in diesem Anwendungsszenario zeigt sich: Die Grenzen zwischen Information, Kommunikation und eigentlichem Lernen sind nicht mehr eindeutig zu ziehen.
Letztlich liegt es in der Phantasie des Anwenders bzw. Trainers, die technischen Möglichkeiten auch für anspruchvollere Lernaufgaben zu nutzen: Statt Fallstudien zu bearbeiten könnten in Trainings beispielsweise Real-Life-Aufgaben vergeben werden. Einzelne Mitglieder einer Lerngruppe übernehmen jeweils verschiedene Themenbereiche, recherchieren diese vor Ort, spielen sich gegenseitig die Informationen zu und stimmen sich untereinander ab. Zudem denkbar: im Training eine Art Ralley zu veranstalten. Lernende könnten dann an verschiedenen Orten Aufgaben lösen, wobei ihnen die jeweiligen Übungen bzw. Anweisungen an den einzelnen Stationen per Handy zugespielt werden.
Ob Mobile Learning sich als Begriff zukünftig durchsetzt, dürfte dann auch entscheidend davon abhängen, ob dessen Protagonisten mehr bieten können, als nur klassische Lernformen für neue technische Hilfsmittel nutzbar zu machen. Kurz: Es müsste tatsächlich neue Formen des dialogorientierten, interaktiven und teilnehmeraktivierenden Lernens ermöglichen.
Einsatzmöglichkeiten des Mobile Learning
- Expertensuche samt Informationsgewinn bzw. -abgleich
- mobile Foren: Diskussionen zu bestimmten Fragestellungen können auch auf räumliche Distanz spontan stattfinden
- Lernen in einer Simulationsumgebung
- Real-Life-Lernen statt Bearbeitung von Case Studies
- Lernralleys, bei denen den Teilnehmern die Anweisungen und Aufgaben per Handy zugeschickt werden
- Absolvieren kurzer Lerneinheiten und Tests
- Abrufen kurzer Video- oder Audio-Module (z.B. beim Fremdsprachentraining)
- Benachrichtigung im Rahmen von Lern- und Arbeitsgruppen, z.B. wichtige Terminänderungen
- Kombination mit Community-Konzepten, z.B. automatische Benachrichtigung bei neuen Infos auf einer Plattform
- Interaktion zwischen Dozent und Teilnehmern während einer Veranstaltung (z.B. Abstimmungen, Meinungsumfragen, Teilnehmer stellen Fragen an den Dozenten per SMS)
- SMS-Dienste wie Übersetzungshilfe oder Lexikon können abonniert werden
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