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Klinische Psychologie

Davison, Gerald C./ Neale, John M./Hautzinger, M.

7. Auflage 2007, 797 S. + CD-ROM, geb.

Die psychischen Störungen werden auf der Grundlage des DSM-IV und ICD-10 anhand von Ätiologie, Diagnostik, Prävention und Intervention vorgestellt. Praxisnahe Fallbeschreibungen illustrieren die Darstellung, ein ausführlicher Fragenkatalog zur Wissensüberprüfung und Prüfungsvorbereitung ergänzt dieses umfassende Lehrbuch. Das Buch enthält außerdem einen Beitrag über die rechtliche Situation der Klinischen Psychologie und Psychotherapie in Deutschland nach der Verabschiedung des Psychotherapeuten-Gesetzes.

Preis: 54,90 EUR
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Rezension:

Ein Buch über klinische Psychologie als Managementwissen bei MWonline? Vielleicht zunächst verwunderlich, dass ein Standardwerk über psychische Störungen als Managementwissen gelten kann. Der Rezensent war neugierig, unter welche Titel sich diese Rezension bei MWonline gesellen würde und gab das Stichwort „Psychotherapie“ in die MWonline-Power-Suche ein. Immerhin: 5 Zeitschriftenartikel und 14 Bücher, die mit diesem Schlagwort verbunden sind.
In der allgemeinen Organisations- und Führungslehre gibt es Ansätze, die Vorgesetztenverhalten nach den Richtungen psychischer Störungen klassifizieren: der manische, der depressive, der egozentrische Vorgesetzte usw.

Dieser Ansatz ist nicht ungefährlich, denn wer als Berater mit einer Klassifikation psychischer Krankheiten im Kopf das Geschehen im Unternehmen beobachtet, kann mehr Schaden anrichten als Hilfestellung geben. Wozu kann aber dann dieses Buch hilfreich sein?
Die inzwischen etablierte Management-Methode des Coachings kann zwischen Personalentwicklung und Psychotherapie angesiedelt werden. Coaching geht über die allgemeine Karriereförderung hinaus und will den ganzen Menschen mit seinen Potenzialen und Hemmnissen sehen. Gleichzeitig darf er aber nach dem deutschen Psychotherapeuten-Gesetz keine psychotherapeutische Behandlung durchführen. Diese Grenze zu erkennen und zu wahren, ist dabei nicht immer einfach. Und genau da liegt die Hilfestellung, die dieses Buch jedem Coach bieten kann.

In der Einführung werden zunächst Merkmale von Verhaltensstörungen und deren Warnehmung und Einordnung erläutert. Statistische Seltenheit, Verletzen sozialer Normen, Persönliches Leid, Beeinträchtigung der Lebensführung und unangemessenes Verhalten sind in der Kombination miteinander Hinweis auf eine Verhaltensstörung. Zweiter wichtiger Aspekt gleich zu Anfang des Buches ist der Hinweis auf die Subjektivität der Wissenschaft. Die Autoren berichten von einem Versuch, in dem Verhaltenstherapeuten und Psychoanalytikern ein Video mit einem Gesprächsausschnitt vorgespielt wurde. Der Hälfte der jeweiligen Wissenschaftler wurde gesagt, es handle sich um ein Vorstellungsgespräch in einem Unternehmen, die andere Hälfte hielt das Gespräch für eine Therapiesitzung. Interessanterweise beurteilten die vier Gruppen das Verhalten des Bewerbers bzw. Patienten ganz unterschiedlich.

e nach Therapierichtung und Vorwissen über die Situation war der Sprecher in dem Video als unterschiedlich verhaltensgestört klassifiziert worden. Dies ist sicherlich eine wichtige Botschaft auch für Berater und Coaches!
Die nächsten 100 Seiten des Buches befassen sich dann mit den gegenwärtigen Paradigmen in der Psychotherapie, der Klassifikation und Diagnostik sowie klinischen Erhebungsverfahren und Methoden zur Untersuchung gestörten Verhaltens.

Hauptteil des Buches sind die auf 400 Seiten dargestellten psychischen Störungen: Angst-, dissoziative, affektive, Ess- und substanzinduzierte Störungen, um nur einige zu nennen. Nach weiteren 100 Seiten über Störungen im Kindesalter und der letzten Lebensphase folgt noch ein Kapitel über rechtliche und ethische Aspekte. Das ursprünglich amerikanische Lehrbuch wurde hier auf die rechtlichen Verhältnisse in Deutschland angepasst.

Sie merken, insgesamt 850 Seiten (125 Seiten Literaturverzeichnis!) machen demütig vor dem „Wesen Mensch“ und seiner Komplexität, aber es ist gut zu wissen, was es alles geben kann und wo man es nachschlagen kann. „Der Mensch nimmt nämlich nur das wahr, auf das er vorbereitet ist“ – ein wichtiger Hinweis gerade für das Coaching, denn ein guter Coach muss auch die Grenzen seiner Möglichkeiten und des Kontraktes mit dem Coachingnehmer erkennen können.

Auch für den Nicht-Psychologen und Nicht-Therapeuten macht das Stöbern und Lesen in diesem Buch Spaß – die Sprache ist gut verständlich, sämtliche Krankheitsbilder werden mit Fallbeispielen und Versuchsbeschreibungen gut eingeführt. Dennoch ist dieses Buch natürlich kein Lesebuch – nachdem man sich mit dem Aufbau des Titels vertraut gemacht hat, ist es spannend, sich gezielt in Krankheitsbilder einzulesen. Man gewöhnt sich schnell an die immer gleiche Darstellungsweise und den Aufbau der Kapitel, so dass das Erfassen der Inhalte sich beschleunigt.

Jeder, der sich (wie z.B. im Coaching) intensiv der Lebensgeschichte von Einzelpersonen widmet, sollte dieses Buch im Regal haben – es hilft ihm selbst und schützt den Coachingnehmer vor „un-mensch-gemäßer“ Behandlung.

Fazit: www.mwonline.de bewertet diesen Titel als besonders empfehlenswert (drei von drei möglichen Sternen)
Markus Classen www.sinn-meets-management.de (Leser-Rezension)
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