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Provokative Therapie

Provokative Therapie

Anstatt wie in vielen Seminarsituationen in mühevoller und geduldiger Kleinarbeit zu versuchen, Teilnehmer zu aktivieren und positiv auf das Thema einzustimmen, wird ein Trainer, der den provokativen Stil anwendet, mit (schwarzem) Humor reagieren und eher versuchen, die negative Haltung des Teilnehmers zu verstärken.

Provokative Therapie

Die provokative Therapie wurde von dem amerikanischen Psychologen Frank Farelly bereits 1963 entwickelt. Farelly war es leid, immerzu verständnisvoll und mitfühlend auf seine Klienten zu reagieren. Schließlich kann der Hilfesuchende auch nicht ständig auf die Rücksichtnahme sämtlicher Mitmenschen bauen.

Wesentlich bei einem solchen Vorgehen ist allerdings, dass man trotz Humor oder Überzeichnung den guten Draht zum anderen behält. Denn sonst mündet die bewusste Provokation allenfalls in ein autoritäres, sarkastisches Gehabe, das wenig hilfreich ist.

Der provokative Stil will eine mit Problemen überfrachtete Stimmung unterbrechen und Ressourcen freisetzen. Der Ratsuchende soll selbst aktiv werden. In einer humorvollen Atmosphäre lässt es sich leichter nach Lösungen suchen. Aber Achtung: Nicht nur der Trainer, auch der Teilnehmer muss Spaß an der Sache haben und das funktioniert nur dann, wenn auch der Trainer über sich selbst lachen kann und eine vertrauensvolle Beziehung besteht.

Farrelly hat für seine provokative Therapie 10 Bausteine entwickelt, die sowohl den Charakter von Spielregeln haben als auch dazu dienen, den Teilnehmer zu eigenständigen Lösung seiner Probleme anzustacheln:

  1. den guten Draht zum anderen bewahren
  2. der Trainer/Coach bleibt aktiv
  3. in das Weltbild des anderen einsteigen
  4. Persiflieren des Weltbildes (Zerrspiegel)
  5. Globalisieren bzw. Pauschalisieren des Weltbildes (Stereotype)
  6. den Advocatus Diaboli spielen
  7. Begeisterung für das belastende Symptom zeigen
  8. in Bildern sprechen
  9. keine Ratschläge geben – höchstens idiotische
  10. hypnotische Kommunikation

Ziel einer Beratung oder eines Trainings im provokativen Stil ist es, den Teilnehmer oder Ratsuchenden auf drei Dinge hinzuweisen:

  1. Jeder ist verantwortlich für sein Leben.
  2. Nur jeder selbst kennt die Lösung für seine Probleme.
  3. Es gibt Realitäten im Leben, die müssen alle Menschen akzeptieren.

Nach einem provokativen Einschub im Seminar ist es wichtig, mit veränderter Stimme und Körpersprache real über das Thema zu sprechen, um dem anderen wirklich eine Hilfe sein zu können.

Verharrt ein Trainer im provokativen Stil, so stellt er sich über die Teilnehmer und kann keine Lösung mit ihnen entwickeln. Im Gegenteil, er verärgert eher seine Zuhörer. Der provokative Stil dient nur dazu, die Situation zu lockern, um neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Trainer, Berater und Therapeuten, die den provokativen Stil erlernen und umsetzen, müssen sich darüber bewusst sein, dass er nur funktionieren wird, wenn sie gegenüber ihrem Schützling Achtung und Respekt empfinden.

Weiterführende Literatur:

  • Frank Farrelly, Jeffrey M. Brandma: Provokative Therapie, Springer Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-540-16666-1.

  • Jürgen Wippich, Ingrid Derra-Wippich: Lachen lernen. Einführung in die Provokative Therapie Frank Farrellys, Junfermann-Verlag, Paderborn 1996, ISBN 3-87387-169-6

  • Eleonore Höfner, Hans-Ulrich Schachtner: Das wäre doch gelacht! Humor und Provokation in der Therapie, Reinbek 1997, ISBN 3-499-60231-8.


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